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		<title>„Man kann die Schönheit nicht patentieren“</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Jul 2010 08:26:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marianne Jossen</dc:creator>
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		<description><![CDATA[in Interview mit Frederick J. Burbach von Robert Best

Frederick J. Burbach ist Professor am Ontario College of Art &#038; Design in Toronto. Vorher war er Designer in mehreren amerikanischen und europäischen Agenturen. Er hat in den 90er Jahren z.B. das Telekom-Logo entworfen. Soeben ist sein erstes Buch erschienen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ein Interview mit Frederick J. Burbach von Robert Best</em></p>
<p>Frederick J. Burbach ist Professor am Ontario College of Art &amp; Design in Toronto. Vorher war er Designer in mehreren amerikanischen und europäischen Agenturen. Er hat in den 90er Jahren z.B. das Telekom-Logo entworfen. Soeben ist sein erstes Buch erschienen.</p>
<p><em>Sie sind Designer und Professor. Wie sieht ein normaler Arbeitstag aus?<br />
</em><br />
Wie der eines normalen und überarbeiteten Professoren, würde ich sagen. Ich unterrichte und gehe in Sitzungen, und nebenbei arbeite ich für Kunden – wenn auch nicht mehr so viel wie früher. Dazu beschäftige ich mich mit der Geschichte der Plakatgestaltung in der Schweiz von 1947 bis heute. Mein Arbeitstag ist immer aufgeteilt zwischen Unterricht, Nachforschungen und Arbeit für Kunden. Aber in den nächsten Jahren werde ich umschalten auf Bücher. Vor zwei Wochen ist mein erstes erschienen. Ich würde Ihnen gerne eins geben.</p>
<p><em>Danke. Wie ist Branding zu Ihrem Spezialgebiet geworden?</em></p>
<p>Als ich zum ersten Mal in der Schweiz war, hat man „Swiss Typography“ noch als sehr enges Korsett betrachtet. Während meines Studiums in Basel habe ich ganz andere Erfahrungen gemacht. Ich wurde immer ermuntert zu tun, was ich wollte. Piktogramme und Symbole haben mich immer fasziniert, und so beschloss ich: Meine Zukunft liegt im Corporate Design. Zumal hier in der Schweiz alles so schön gestaltet ist! Das fand ich immer schön. Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass man ein System für Branding braucht. Da habe ich mir die Frage gestellt: Wie stellt man eine Strategie zusammen?</p>
<p><em>Was ist der Unterschied zwischen einem Piktogramm und einem Bild?</em></p>
<p>Ein Piktogramm ist eine Symbolik, ein Bild ist eine Wahrnehmung.</p>
<p><em>Ein Piktogramm braucht also etwas, das es symbolisiert, einen Referenzrahmen?</em></p>
<p>Absolut. Und man kann nichts symbolisieren, das in der Zukunft liegt. Ich habe gelernt, dass man auf die visuelle Welt der Herkunft oder der Gegenwart schauen muss. Wenn man sich die Höhlenmalerei betrachtet: Diese Darstellungen von Tieren sind auch Symbole. Das erste Piktogramm war eine Zeichnung in Diamantform, möglicherweise ein Symbol für ein Auge oder ein Ziel. Auch die mit Pfeilen erzeugten Punktzeichnungen haben eine tiefere Bedeutung: Sie haben wahrscheinlich mit Geistern zu tun oder mit der Stellung des Menschen im Universum.</p>
<p><em>Sie haben u.a. die Logos für Swisscom und Deutsche Telekom entworfen. Profitieren Designer von der Privatisierung von Staatsbetrieben?</em></p>
<p>Klar, das war ein goldenes Zeitalter für Gestalter. Denn die Unternehmen hatten genug Geld, um ein komprehensives und dadurch erfolgreiches Branding zu bezahlen. Dafür gibt es mehrere Einflüsse: Der CEO muss es unterstützen. Es muss sehr gut von der Agentur verwaltet werden. Und von den Unternehmen. Natürlich muss die Gestaltung hervorragend sein. Es muss genügend Geld für ein umfassendes Programm geben. Außerdem müssen alle Dinge zur gleichen Zeit umgestaltet und gelauncht werden können: etwa Autos, Telefonzellen usw.</p>
<p><em>Auch Städte, Gemeinden usw. setzen auf Branding. Unterscheidet sich die Arbeit für öffentliche Einrichtungen von der für private Konzerne?</em></p>
<p>Ich würde sagen, der Unterschied liegt mehr zwischen der Gestaltung in Europa und der in Amerika. In Europa ist sie in den Geschäftsprozess eingebettet, ein Teil des Gesamten. In Nordamerika ist sie viel zu häufig ein „Window-Dressing“, eine Viertel-vor-Zwölf-Lösung. Sicher gibt es Ausnahmen: Apple z.B. ist auf Gestaltung aufgebaut. Das ist Teil der Übung.<br />
Der Unterschied zwischen privaten und öffentlichen Kunden dagegen ist nicht groß. Alle wollen ein Top-Brand und eine gute Gestaltung. Der Kunde kommt immer mit drei Dingen: einem Problem, einer Schätzung, was dessen Lösung kostet und einer ungefähren Idee, wie die aussehen soll. Wenn der Kunde sagt: „So und so will ich das haben“, kommt es vor, dass ich sage: „Gut. Auf Wiedersehen!“<br />
Meistens liegt das daran, dass sie das Problem, das sie hatten, nicht richtig verstanden haben und daher auch nicht die Lösung. Wir als Grafiker bringen noch einen zusätzlichen Wert in den Prozess. Zudem machen wir meist mehr als bestellt und erwartet, auch wenn wir es nicht abrechnen. Also noch eine Mappe und ein Werbegeschenk statt nur Visitenkarten und Logo oder eine Animation für die Website. Das imponiert den Kunden. So sehen sie, wie man weiter denken könnte, wenn man wollte.</p>
<p><em>Freut man sich als Designer, wenn ein Werk so zwiespältig aufgenommen wird wie damals Ihre Arbeit für die Deutsche Telekom</em>?</p>
<p>Ich habe irgendwann gemerkt, dass mir meine Arbeit selbst Angst gemacht hat. Zum Beispiel als ich dieses hier (zeigt ein Bild) gemacht hat, hat mich das innerlich geschüttelt. Was ist Kunst? Kunst ist die Erfassung eines Moments, einer Energie, die weitergegeben werden kann. Ein Künstler ist jemand, der das schnappen und wiedergeben kann. Das ist eine Fähigkeit, ein Verständnis, das zu einem Schnappschuss führt. Aber das ist ein Schnappschuss, der die gesamte Energie von diesem Erlebnis aufnimmt. Als Designer muss man die Einzigartigkeit des Unternehmens erfassen. Jedes Unternehmen, jede Gruppe, jeder Mensch ist einzigartig. Jeder Mensch ist ein „Brand“. Wenn man die Echtheit des Unternehmens berücksichtigt, kann man nicht fehlgehen. Für die ist das wie ein Besuch beim Psychologen. Man lernt sich neu kennen. Wir Grafiker sind Psychoanalytiker der Unternehmen. Wir gehen dorthin, wir stellen viele, viele Fragen. Und daraus gewinnen wir eine Kristallisierung: Wer sind sie? Was machen sie? Warum machen sie, was sie machen? Was macht sie speziell? Was bieten sie, was niemand anders anbieten kann?</p>
<p><em>Welche Gefahr besteht darin, dass jeder Mensch ein „Brand“ ist, eine Marke</em>?</p>
<p>Die Gefahr ist eher, dass viele Menschen nicht verstehen, dass sie Brands sind. Und viele sind vom Konsum aufgeschnappt worden. Ein Mensch ist aber nicht „in“ wegen seiner Kleidung. Ein Mensch ist speziell, weil er etwas Eigenes in einen Raum bringen kann.</p>
<p><em>Aber wie kann Einzigartigkeit ausgedrückt werden, wenn nicht über Konsum oder über Marken?</em></p>
<p>Durch eigene Leistung. Über Sport, Musik, Schreiben, Lesen, Nachdenken, sich auseinandersetzen mit sich selbst und mit anderen. Dann kommt man in Gang. Als ich 1999 aufgehört habe, habe ich eine Weltreise gemacht. Ich war 4 Monate mit Backpackers unterwegs, Leuten, die ich nicht kannte. Und durch diese Erfahrung habe ich neu, als Mensch, mich sehen gelernt. Im Freundeskreis oder in der Familie ist man gehätschelt, von den Eltern gehätschelt, von den Geschwistern, von den Lehrern gehätschelt. Aber wenn man in kaltes Wasser geworfen ist, dann macht man was, dann lernt man was.</p>
<p><em>Zum Thema Einzigartigkeit: Was halten Sie davon, wenn Firmen einzelne Wörter oder Farben patentieren lassen?</em></p>
<p>Alle Firmen haben das Recht das zu machen. Meine Meinung ist: Das Recht etwas anzuwenden erhält man durch die Anwendung. Zum Beispiel wenn Nike immer sagt „Just do it“, das finde ich gut. Oder Tiffany! Mit diesem wunderschönen Blau. Sie haben das besetzt, und nicht weil sie zu einem Amt gegangen sind.</p>
<p><em>…vielleicht beides…</em></p>
<p>…vielleicht nachher. Durch die Anwendung kannten alle diese Farbe. Auch bei der Telekom gab es diese Farbe. Und diese spezielle Farbe, aber nur die chemische Formel, ist geschützt. Aber generell: Besitzen bedeutet Anwenden. Man kann die Schönheit nicht patentieren.</p>
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		<title>«Klassezämekunft» und die Schweizer Rolle im Zweiten Weltkrieg</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Jul 2010 10:47:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias Brücker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reportagen]]></category>
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		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
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		<category><![CDATA[Medienpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Stierlin]]></category>
		<category><![CDATA[Walter Deuber]]></category>
		<category><![CDATA[Zweiter Weltkrieg]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 14. Februar dieses Jahres zeigte das Schweizer Fernsehen mit dem „schwarzhumorigen Mordsspektakel“ «Klassezämekunft» einen hochgradig zweideutigen Film aus dem Jahre 1988. Mit von der Partie: Anne-Marie Blanc, Ursula Andress, Paul Hubschmid, Lukas Ammann, Eva Langraf, Hannes Schmidhauser, Inigo Gallo, Peter W. Staub und Ruedi Walter. Dies ist eine der grössten Zusammenkünfte populärer Schweizer Schauspieler in einem Film. Die Geschichte ist im Grunde genommen schnell erzählt: Fünfzig Jahre nach ihrem Schulabschluss, Anno 1938, lädt Senta von Meissen (Anne-Marie Blanc) acht ehemalige Schulkameraden zur &#8220;Klassezämekunft&#8221; auf ihr Schloss ein. Schnell merkt ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.contextblog.ch/wp-content/uploads/2010/07/cover.jpg"><img src="http://www.contextblog.ch/wp-content/uploads/2010/07/cover.jpg" alt="" title="cover" width="160" height="228" class="alignleft size-full wp-image-422" /></a>Am 14. Februar dieses Jahres zeigte das Schweizer Fernsehen mit dem „schwarzhumorigen Mordsspektakel“ <a href="http://www.imdb.com/title/tt0095455/">«Klassezämekunft»</a> einen hochgradig zweideutigen Film aus dem Jahre 1988. Mit von der Partie: Anne-Marie Blanc, Ursula Andress, Paul Hubschmid, Lukas Ammann, Eva Langraf, Hannes Schmidhauser, Inigo Gallo, Peter W. Staub und Ruedi Walter. Dies ist eine der grössten Zusammenkünfte populärer Schweizer Schauspieler in einem Film. Die Geschichte ist im Grunde genommen schnell erzählt: Fünfzig Jahre nach ihrem Schulabschluss, Anno 1938, lädt Senta von Meissen (Anne-Marie Blanc) acht ehemalige Schulkameraden zur &#8220;Klassezämekunft&#8221; auf ihr Schloss ein. Schnell merkt man, dass es bei diesem Treffen um mehr geht als geselliges Beisammensein. Die Aufmerksamkeit wird auf  die letzte Schulreise geleitet. Damals ist Teddy, ein Klassenkamerad und die grosse Liebe von Senta, am Rheinfall zu Tode gestürzt. Nur war es kein Unfall, wie später der geschlossene Klassenverband bekundete. Der unerwünschte Teddy, der aus verschiedenen Gründen unbeliebt in der Klasse war, wurde von seinen Kameraden in den Rheinfall gestossen. Was keiner weiss: Es wurde alles gefilmt! Zeit also, den Film in guter Gesellschaft und bei einem ausführlichen Treffen den unfreiwilligen Darstellern vorzuführen. Der Rest der Geschichte ist ziemlich schnell klar: Senta knöpft sich die Gäste nun einen nach dem anderen vor&#8230;</p>
<p><a href="http://www.contextblog.ch/wp-content/uploads/2010/07/s1.jpg"><img src="http://www.contextblog.ch/wp-content/uploads/2010/07/s1.jpg" alt="" title="s1" width="425" height="307" class="aligncenter size-full wp-image-419" /></a></p>
<p>Wie es so ist, wenn man am Sonntagabend in familiärer Atmosphäre das Schweizer Fernsehen einschaltet, erwartet man nichts Böses. Das ist auch verständlich bei den harmlosen Eigenproduktionen des Schweizer Fernsehens, wo die „enfants terribles“ aus Viktor Giacobbo und Mike Müller bestehen. Mit zunehmender Länge des Films tauchen feine Hinweise auf, welche immer schwieriger zu ignorieren sind. Beispielsweise findet die Schulreise 1938, und zwar in Schaffhausen statt, nahe der deutschen Grenze. Senta zieht unverzüglich nach der Reise in das nationalsozialistische Deutschland und heiratet dort einen deutschen Grossindustriellen. Ihre Tochter, gespielt von Ursula Andress, trägt eine uniformartige Kleidung und hat einen kühlen Gesichtsausdruck. Etwas eigenwillig könnte dies in entfernter Weise an das Gehabe der Frauen SS erinnern. Solche Hinweise und Vermutungen häufen sich bis hin zum Schluss, als Rolf Zeller in einem Auto vergast wird. Eigentlich müsste dieser Film als ein Paradebeispiel für die filmische Auseinandersetzung mit der Schweizer Rolle während des Holocausts bekannt sein. Damit hat man aber weit gefehlt: Quer durch die Filmportale und Fernsehbeschreibungen wird hier von einer gruseligen Komödie gesprochen. Ein <a href="http://www.artfilm.ch/klassezaemekunft.php">User bei artfilm.ch</a> beklagt sich, dass das 10-Negerlein-System in der Beschreibung nicht erwähnt wurde, obwohl es dem Film doch zu Grunde liege. Andere beklagen sich über die Banalität des Filmes, welcher doch nur der Starbesetzung wegen erfolgreich sei. Und ein deutsches Filmlexikon mokiert sich über die Unfähigkeit der Schweizer Schauspieler, korrektes Schriftdeutsch zu sprechen.</p>
<p>Es gibt aber auch filmexterne Hinweise darauf, dass der Film mehr sein will als eine Komödie für den gemütlichen Familienabend. So hat <a href="http://www.walo-deuber.ch/de/ueber_mich">Walo Deuber</a>, bekannt als Co-Autor des brillanten Schweizer Films <a href="http://www.imdb.com/title/tt0143860/">„Der schwarze Tanner“</a>, unter anderem einen <a href="http://www.imdb.com/title/tt0258980/">Film über ukrainische Massengräber</a> gedreht, in denen Holocaust-Opfer verscharrt wurden. Die Grundidee des 1988 entstandenen „Klassezämekunft“ stammte ursprünglich von Peter Stierlin, wobei Walo Deuber dann das Drehbuch geschrieben hat. Auf Anfrage erläutert Deuber, dass er damals, nach seinem Studium an der Freien Universität zu Berlin stark politisiert war und nicht umhin konnte, neben einer „flotten Story“ auch geschichtliche Substanz einzubinden. Mit der grundlegenden Frage, wie einer zum Mitläufer werden kann und unter den persönlichen Erfahrungen im Kontext der „<a href="http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D17341.php">Eingabe der 200</a>“, entstand dann die zweideutige Geschichte, die der Film erzählt. Interessant dabei ist Deubers Suche nach einem medienpolitischen Ansatz, der sich statt am rein politischen Film am Unterhaltungsfilm orientiert. Wie viel Substanz und schwerfällige Themen vermag ein Unterhaltungsfilm zu tragen ohne dass er eben diese Bezeichnung verliert? Eine Antwort auf diese Frage findet sich möglicherweise im hier besprochenen Film.</p>
<p><a href="http://www.contextblog.ch/wp-content/uploads/2010/07/s3.jpg"><img src="http://www.contextblog.ch/wp-content/uploads/2010/07/s3.jpg" alt="" title="s3" width="425" height="307" class="aligncenter size-full wp-image-420" /></a></p>
<p>Wie kommt es zu einer solchen Rezeption, wo doch die Hinweise des Films auf den Holocaust in ihrer Eindeutigkeit fast unübersehbar sind? Der Film erinnert an die Zensurliteratur und &#8211; filme, welche beispielsweise in der DDR hinter der Maske von Heimatfilmen und Heimatromanen ihre Kritik ganz vorsichtig formuliert haben. Schliesslich ist es möglich, diesen Film als kriminalistische Komödie mit Schweizer Starbesetzung anzuschauen; und gleichzeitig fallen dem Zuschauer die Schuppen von den Augen, wenn er den Film als Metapher der Schweizer Vergangenheitsbewältigung betrachtet. Im Grunde genommen könnte man zwei Erklärungsstränge vorschlagen: Einerseits, dass der Film vollkommen plausibel als Unterhaltungsfilm anzuschauen ist, andererseits dass im Schweizer Selbstbewusstsein jegliche Sensibilität für die Schweizer Rolle im zweiten Weltkrieg fehlt. Unsere grossen Helden sind Leute nahe der Grenze, die damals Juden in die Schweiz geschleust haben. Leute, die verehrt werden, weil sie gegen das Schweizer Gesetz gehandelt haben. Leider wissen die wenigsten Leute, dass nach Berechnungen des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bergier-Bericht">Bergier-Berichts</a> über 24‘000 Juden abgewiesen wurden. Es macht keinen Sinn alle Vorwürfe an dieser Stelle aufzulisten, ganz abgesehen davon, dass man immer sehr genau hinschauen muss bei Zahlenargumentationen (auch bei der obigen natürlich). </p>
<p>Es ist nur verwunderlich, dass diese Ereignisse scheinbar nicht im Schweizer Kollektivgedächtnis vorhanden sind. Vielmehr scheint die Zeit des Zweiten Weltkriegs apolitisch und als schwierige Zeit, geprägt von Hunger und Präkarität, memoriert worden zu sein. Man könnte die provokative These wagen, dass der Beweisfilm von Senta eine gewisse Analogie zum viel später entstandenen Bergier-Bericht aufweist, &#8211; avant la lettre sozusagen. Schliesslich musste unter internationalem Druck die ganze Bankengeschichte vorgerechnet und erforscht werden, bis wir ganz verwundert zur Kenntnis nahmen, dass nicht alles so rosig verlaufen ist damals. Wie die Klassenkameraden versuchen auch die Schweizer nach jeder Anschuldigung sofort weiterzuleben als wäre nie etwas passiert. Wie die Klassenkameraden scheinen wir unsere Erinnerungen sehr naiv und gewissenserleichternd manipuliert zu haben. Das zeigt sich, wenn viele unsrer Eltern in der Schule nichts von dieser Problematik gehört haben oder wenn die Klassenkameraden bis zu den letzten entscheidenden Sekunden der Beweisaufnahmen sich noch einreden, es sei ein Unfall gewesen. Und kommt es dann doch raus, gerät die Schweiz in Panik, macht politische Fehler oder fährt überhastig davon, worauf sie gegen einen Baum prallt. </p>
<p><a href="http://www.contextblog.ch/wp-content/uploads/2010/07/s2.jpg"><img src="http://www.contextblog.ch/wp-content/uploads/2010/07/s2.jpg" alt="" title="s2" width="460" height="307" class="aligncenter size-full wp-image-421" /></a></p>
<p>Wir sind zwar ein meinungsfreies Land und brüsten uns damit, dass wir unsere Geschichte aufgearbeitet haben. Aber was nützt die ganze Aufarbeitung, wenn nichts davon in Erinnerung übergeht? Wenn wir einen kuscheligen Sonntagabend verbringen und nicht im entferntesten auf die Idee kommen, dass ein Film auch etwas Politisches an sich haben könnte? Dass er sogar provokative und unangenehme Selbstkritik enthalten könnte? Wenn all dieses Bewusstsein fehlt, dann passiert eine Rezeption wie beim Film «Klassezämekunft». Dann verschlingen wir eine „mordslustige schwarze Komödie“ nach der anderen. Anstatt uns einmal richtig mit dieser Angelegenheit zu befassen, ignorieren wir, stets mit dem flauen Gefühl im Magen, dass etwas Unangenehmes hochkommen könnte. Zu genial, dass der Film sehr ungewöhnlich endet, indem er zum Anfang des Klassentreffens zurückkehrt, um offen zu lassen ob sich die ganze Morderei wirklich abspielen wird oder nicht. </p>
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		<title>Peter Fuchs auf dem Weg zu einer Allgemeinen Theorie von Sinnsystemen</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Jun 2010 18:40:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marianne Jossen</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein Vortrag an der Hochschule für Soziale Arbeit Luzern vom 9. April 2010
Frank Meissner
Niklas Luhmann hat für sich beansprucht, eine Allgemeine Theorie sozialer Systeme zu konzipieren. Nichts desto trotz finden sich bei Luhmann immer auch Überlegungen zu psychischen Systemen, die er als notwendige Umwelt von Kommunikation behandelte. Peter Fuchs geht diesen Überlegungen nach und baut darauf auf, indem er beide Systemformen, die Kommunikation und die Psyche als Sinnsysteme behandelt. Mit dieser Isomorphisierung eröffnen sich vielfältige Anschlussmöglichkeiten in der theoretischen Operationalisierung von Kommunikation und Bewusstsein.
Fuchs setzt damit die Denktradition der Systemtheorie ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Vortrag an der Hochschule für Soziale Arbeit Luzern vom 9. April 2010</p>
<p>Frank Meissner</p>
<p>Niklas Luhmann hat für sich beansprucht, eine Allgemeine Theorie sozialer Systeme zu konzipieren. Nichts desto trotz finden sich bei Luhmann immer auch Überlegungen zu psychischen Systemen, die er als notwendige Umwelt von Kommunikation behandelte. Peter Fuchs geht diesen Überlegungen nach und baut darauf auf, indem er beide Systemformen, die Kommunikation und die Psyche als Sinnsysteme behandelt. Mit dieser Isomorphisierung eröffnen sich vielfältige Anschlussmöglichkeiten in der theoretischen Operationalisierung von Kommunikation und Bewusstsein.</p>
<p>Fuchs setzt damit die Denktradition der Systemtheorie fort, die<ins datetime="2010-06-03T18:20" cite="mailto:Marianne%20Jossen"> </ins> als interdisziplinäres Erkenntnismodell die Regelhaftigkeit von sich selbst organisierenden Systemen in allgemeingültigen Theoremen zu modellieren versucht. Und schafft zugleich Anknüpfungspunkte an aktuelle Ergebnisse der Hirnforschung<ins datetime="2010-06-03T18:21" cite="mailto:Marianne%20Jossen">.</ins></p>
<p>Am Anfang seines Vortrages lädt Fuchs das Auditorium zu einer &#8220;Hochabstraktion&#8221; ein: Ausgehend von der Isomorphie von Bewusstseinssystemen und Sozialen Systemen, eine Allgemeine Theorie von Sinnsystemen zu entwickeln. Er sieht hierin ein legitimes Theorieprojekt, welches konsequent die Idee von Luhmann nach einer Universalisierung seines Ansatzes vorantreibt.</p>
<p><object id="xrP47fb54dd2ac74a97bd7d2822054b8687" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="640" height="360" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="data" value="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=47fb54dd2ac74a97bd7d2822054b8687&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff" /><param name="allowNetworking" value="all" /><param name="allowScriptAccess" value="always" /><param name="allowFullScreen" value="True" /><param name="wmode" value="opaque" /><param name="src" value="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=47fb54dd2ac74a97bd7d2822054b8687&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff" /><param name="name" value="xrPlayerEmbeded47fb54dd2ac74a97bd7d2822054b8687" /><param name="allowfullscreen" value="True" /><embed id="xrP47fb54dd2ac74a97bd7d2822054b8687" type="application/x-shockwave-flash" width="640" height="360" src="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=47fb54dd2ac74a97bd7d2822054b8687&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff" name="xrPlayerEmbeded47fb54dd2ac74a97bd7d2822054b8687" wmode="opaque" allowfullscreen="True" allowscriptaccess="always" allownetworking="all" data="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=47fb54dd2ac74a97bd7d2822054b8687&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff"></embed></object></p>
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<div class="viewOnXRDiv"><a class="viewOnXRLink" title="Peter Fuchs: Experiment ATS by Context Blog - View it on ExposureRoom" href="http://exposureroom.com/47fb54dd2ac74a97bd7d2822054b8687" target="_blank">View on ExposureRoom</a></div>
</div>
<p>Wer Neues denken will, braucht eine neue Begrifflichkeit. So macht Fuchs im ersten Abschnitt seines Vortrages deutlich, dass unsere überkommenen Vorstellungen von Subjekten und Objekten für eine Beschreibung von komplexen Entitäten nicht taugt. Wer sinnvoll von Systemen sprechen will, kann dies nur, wenn er diese Systeme zu gleich als Differenz von System und seiner Umwelt denkt. Doch da unsere (Sprach-)Logik diese Mehrwertigkeit nicht zulässt, sondern fordert, dass etwas entweder Subjekt oder Objekt sei, spricht Fuchs von Unjekten. Diese Unjekte bedingen sich aus ihrer Differenz, die sie fortlaufend reproduzieren und somit selbst generieren.</p>
<p><ins datetime="2010-06-03T18:25" cite="mailto:Marianne%20Jossen"> </ins></p>
<p><object id="xrPae54771fc0ad43bd9a7cf6cf8d1bbe89" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="640" height="360" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="data" value="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=ae54771fc0ad43bd9a7cf6cf8d1bbe89&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff" /><param name="allowNetworking" value="all" /><param name="allowScriptAccess" value="always" /><param name="allowFullScreen" value="True" /><param name="wmode" value="opaque" /><param name="src" value="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=ae54771fc0ad43bd9a7cf6cf8d1bbe89&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff" /><param name="name" value="xrPlayerEmbededae54771fc0ad43bd9a7cf6cf8d1bbe89" /><param name="allowfullscreen" value="True" /><embed id="xrPae54771fc0ad43bd9a7cf6cf8d1bbe89" type="application/x-shockwave-flash" width="640" height="360" src="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=ae54771fc0ad43bd9a7cf6cf8d1bbe89&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff" name="xrPlayerEmbededae54771fc0ad43bd9a7cf6cf8d1bbe89" wmode="opaque" allowfullscreen="True" allowscriptaccess="always" allownetworking="all" data="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=ae54771fc0ad43bd9a7cf6cf8d1bbe89&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff"></embed></object></p>
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<p>Wer Sinnsysteme beobachten will, muss den Sinn im Sinne der Theorie &#8211; also auf einer neuen Ebene operationalisieren. Alte, metaphysische Vorstellungen, die einen Sinn in der Welt suchen, werden im Rahmen dieser Begrifflichkeit irrelevant. Sinn wird vielmehr als Horizont von Möglichkeiten eines Systems und der jeweiligen Selektion begriffen. Er entsteht als fortlaufendes Prozessieren von Differenzen innerhalb des Systems, das zwischen Möglichem und Aktuellem selektiert.</p>
<p><ins datetime="2010-06-03T18:26" cite="mailto:Marianne%20Jossen"> </ins></p>
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<div class="viewOnXRDiv"><a class="viewOnXRLink" title="Sinn by Context Blog - View it on ExposureRoom" href="http://exposureroom.com/0627efe2c4ea4240bab1a0d0db2e6097" target="_blank">View on ExposureRoom</a></div>
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<p>Luhmann hat seinen Medienbegriff von Fritz Heider, dem österreichischen Gestaltpsychologen, entliehen. Dieser hat mit seiner Unterscheidung von loser und fester Kopplung in Medien und den daraus resultierenden Formen, schon in den 1920er Jahren die Grundlagen für das Luhmannsche Differenzierungsschema gelegt.  Wie bei <em>System</em> und <em>Sinn</em> handelt es sich um ein Konzept, das nicht von einer festen Entität ausgeht, sondern von der Differenz von einzelnen Elementen zueinander handelt, die erst in ihrer Gekoppeltheit eine neue Form ergeben.</p>
<p><ins datetime="2010-06-03T18:27" cite="mailto:Marianne%20Jossen"> </ins></p>
<p><object id="xrPdc0e0eafbeeb43e593965933379711c9" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="640" height="360" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="data" value="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=dc0e0eafbeeb43e593965933379711c9&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff" /><param name="allowNetworking" value="all" /><param name="allowScriptAccess" value="always" /><param name="allowFullScreen" value="True" /><param name="wmode" value="opaque" /><param name="src" value="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=dc0e0eafbeeb43e593965933379711c9&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff" /><param name="name" value="xrPlayerEmbededdc0e0eafbeeb43e593965933379711c9" /><param name="allowfullscreen" value="True" /><embed id="xrPdc0e0eafbeeb43e593965933379711c9" type="application/x-shockwave-flash" width="640" height="360" src="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=dc0e0eafbeeb43e593965933379711c9&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff" name="xrPlayerEmbededdc0e0eafbeeb43e593965933379711c9" wmode="opaque" allowfullscreen="True" allowscriptaccess="always" allownetworking="all" data="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=dc0e0eafbeeb43e593965933379711c9&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff"></embed></object></p>
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<p>Mit der Begriffsneuschöpfung<ins datetime="2010-06-03T18:30" cite="mailto:Marianne%20Jossen"> </ins>von<ins datetime="2010-06-03T18:30" cite="mailto:Marianne%20Jossen"> </ins><em>Autilität</em> versucht Fuchs ein bei Sinnsystemen fortwährend beobachtbares Phänomen zu beschreiben: der Sinnverschiebung. Sinn, so hatte Fuchs weiter oben schon ausgeführt, ist keine feste Eigenheit, sondern ist ein fortgesetztes Prozessieren von Differenzen. Bei diesem Prozessieren werden fortlaufend neue Anschlussmöglichkeiten für Sinn erzeugt, die sich verschieben und so zu permanenten Neuinterpretationen führen können.</p>
<p><ins datetime="2010-06-03T18:30" cite="mailto:Marianne%20Jossen"> </ins></p>
<p><object id="xrP37d565f9170840ab964580ea0d6b0d0d" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="640" height="360" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="data" value="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=37d565f9170840ab964580ea0d6b0d0d&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff" /><param name="allowNetworking" value="all" /><param name="allowScriptAccess" value="always" /><param name="allowFullScreen" value="True" /><param name="wmode" value="opaque" /><param name="src" value="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=37d565f9170840ab964580ea0d6b0d0d&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff" /><param name="name" value="xrPlayerEmbeded37d565f9170840ab964580ea0d6b0d0d" /><param name="allowfullscreen" value="True" /><embed id="xrP37d565f9170840ab964580ea0d6b0d0d" type="application/x-shockwave-flash" width="640" height="360" src="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=37d565f9170840ab964580ea0d6b0d0d&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff" name="xrPlayerEmbeded37d565f9170840ab964580ea0d6b0d0d" wmode="opaque" allowfullscreen="True" allowscriptaccess="always" allownetworking="all" data="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=37d565f9170840ab964580ea0d6b0d0d&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff"></embed></object></p>
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<div class="viewOnXRDiv"><a class="viewOnXRLink" title="Autilität by Context Blog - View it on ExposureRoom" href="http://exposureroom.com/37d565f9170840ab964580ea0d6b0d0d" target="_blank">View on ExposureRoom</a></div>
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<p>Im nächsten Abschnitt wendet sich Fuchs der Frage zu, wie ein System sich zu seiner Umwelt in Verhältnis setzt. Referieren bezeichnet das direkte Bezugnehmen eines Sinnsystems &#8220;auf seine Umwelt&#8221;, das sich durch seine Konkretheit<em><ins datetime="2010-06-03T18:33" cite="mailto:Marianne%20Jossen"> </ins></em>auszeichnet: Dort ist ein Haus. Im Gegensatz hierzu wird beim Beobachten erster Ordnung auf die Unterscheidung, mit der beobachtet wurde, Bezug genommen und sie &#8211; die getroffene Unterscheidung &#8211; wird als Ressource im Prozess weitergeführt. Fuchs illustriert dies am Beispiel des Baus von Hoteltoiletten, wo die Unterscheidung Mann/Frau relevant für den Bau von Männer- und Frauentoiletten ist. Das Beobachten zweiter<ins datetime="2010-06-03T18:33" cite="mailto:Marianne%20Jossen"> </ins>Ordnung bezeichnet jenes Beobachten,<ins datetime="2010-06-03T18:34" cite="mailto:Marianne%20Jossen"> </ins>im Zuge<ins datetime="2010-06-03T18:34" cite="mailto:Marianne%20Jossen"> </ins>dessen  beim Unterscheiden, die Unterscheidung, mit der beobachtet wird, ebenfalls beobachtet/unterschieden wird.</p>
<p>Für die Entwicklung einer Allgemeinen Theorie von Sinnsystemen ist bedeutsam, dass sowohl soziale wie psychische Systeme in diesen drei Modi operieren.</p>
<p><ins datetime="2010-06-03T18:31" cite="mailto:Marianne%20Jossen"> </ins></p>
<p><object id="xrP4a5d9f58789549c0847c54e38549396d" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="640" height="360" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="data" value="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=4a5d9f58789549c0847c54e38549396d&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff" /><param name="allowNetworking" value="all" /><param name="allowScriptAccess" value="always" /><param name="allowFullScreen" value="True" /><param name="wmode" value="opaque" /><param name="src" value="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=4a5d9f58789549c0847c54e38549396d&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff" /><param name="name" value="xrPlayerEmbeded4a5d9f58789549c0847c54e38549396d" /><param name="allowfullscreen" value="True" /><embed id="xrP4a5d9f58789549c0847c54e38549396d" type="application/x-shockwave-flash" width="640" height="360" src="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=4a5d9f58789549c0847c54e38549396d&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff" name="xrPlayerEmbeded4a5d9f58789549c0847c54e38549396d" wmode="opaque" allowfullscreen="True" allowscriptaccess="always" allownetworking="all" data="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=4a5d9f58789549c0847c54e38549396d&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff"></embed></object></p>
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<div class="viewOnXRDiv"><a class="viewOnXRLink" title="Beobachten by Context Blog - View it on ExposureRoom" href="http://exposureroom.com/4a5d9f58789549c0847c54e38549396d" target="_blank">View on ExposureRoom</a></div>
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<p>Im sechsten Abschnitt seines Vortrages erläutert Fuchs den Begriff der Operation. Operation beschreibt die Art und Weise, wie ein System zwischen Fremd- und Selbstreferenz unterscheidet und wie im System Anschlüsse hergestellt werden. Anhand des dreistelligen Aufbaus der Kommunikation: Information &#8211; Fremdreferenz, Mitteilung &#8211; Selbstreferenz, Verstehen &#8211; Anschluss, erläutert Fuchs diesen Aspekt. Das Äquivalent zur Mitteilung im psychischen System ist, so die These Fuchs, Gestimmtheit. Leider hat er diesen Begriff im Rahmen des Vortrages nicht weiter ausgeführt.<ins datetime="2010-06-03T18:35" cite="mailto:Marianne%20Jossen"></ins></p>
<p><ins datetime="2010-06-03T18:35" cite="mailto:Marianne%20Jossen"> </ins></p>
<p><object id="xrPa70a7dcc9e8940abb66f51cf13236f8a" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="640" height="360" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="data" value="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=a70a7dcc9e8940abb66f51cf13236f8a&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff" /><param name="allowNetworking" value="all" /><param name="allowScriptAccess" value="always" /><param name="allowFullScreen" value="True" /><param name="wmode" value="opaque" /><param name="src" value="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=a70a7dcc9e8940abb66f51cf13236f8a&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff" /><param name="name" value="xrPlayerEmbededa70a7dcc9e8940abb66f51cf13236f8a" /><param name="allowfullscreen" value="True" /><embed id="xrPa70a7dcc9e8940abb66f51cf13236f8a" type="application/x-shockwave-flash" width="640" height="360" src="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=a70a7dcc9e8940abb66f51cf13236f8a&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff" name="xrPlayerEmbededa70a7dcc9e8940abb66f51cf13236f8a" wmode="opaque" allowfullscreen="True" allowscriptaccess="always" allownetworking="all" data="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=a70a7dcc9e8940abb66f51cf13236f8a&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff"></embed></object></p>
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<div class="viewOnXRDiv"><a class="viewOnXRLink" title="Operation by Context Blog - View it on ExposureRoom" href="http://exposureroom.com/a70a7dcc9e8940abb66f51cf13236f8a" target="_blank">View on ExposureRoom</a></div>
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<p>Und wie kommt der Sinn nun „ins“ Bewusstsein? Hier verweist Fuchs auf den Körper, mit dem die Psyche permanent in Kontakt steht. Das Theoriepartikel der symbiotischen Mechanismen von Luhmann ist für ihn Ausgangspunkt für weitergehende Überlegungen, ob und wie nicht nur Kommunikation Bezug auf den Körper nimmt, sondern auch auf das Bewusstsein. Mit kleinen Experimenten &#8211; die die Suggestivkraft von Herrn Fuchs wieder eindrücklich demonstrierten -, erklärt er, wie Sprache übergreifend an diesem Gesamtvorgang des sinnhaften Erlebens gekoppelt ist.</p>
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<div class="viewOnXRDiv"><a class="viewOnXRLink" title="Brücke by Context Blog - View it on ExposureRoom" href="http://exposureroom.com/0f78c53945c24ad6b9f0a041700c945c" target="_blank">View on ExposureRoom</a></div>
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		<title>Dirk Baecker &#8211; Vollrisikogesellschaft</title>
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		<pubDate>Sat, 05 Jun 2010 15:51:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marianne Jossen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reportagen]]></category>
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		<description><![CDATA[Eine Diskussion mit Daniel Binswanger

Marianne Jossen und Frank Meissner

Die Bankenkrise hat gezeigt, dass wir ein Problem haben, mit Risiken vernünftig umzugehen. Warum geht die Gesellschaft immer höhere Risiken ein, obwohl sie diese doch immer besser abschätzen könnte? Das Krisenbewusstsein ist allgegenwärtig, aber was besagt die „Krise" eigentlich? Dirk Baecker ist Soziologe und einer der bedeutendsten Vertreter der heutigen Systemtheorie. Ein Hintergrundgespräch. (www.theateramneumarkt.ch)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Eine Diskussion mit Daniel Binswanger</em></p>
<p><em>Marianne Jossen und Frank Meissner</em></p>
<p><strong><em>Die Bankenkrise hat gezeigt, dass wir ein Problem haben, mit Risiken vernünftig umzugehen. Warum geht die Gesellschaft immer höhere Risiken ein, obwohl sie diese doch immer besser abschätzen könnte? Das Krisenbewusstsein ist allgegenwärtig, aber was besagt die „Krise&#8221; eigentlich? Dirk Baecker ist Soziologe und einer der bedeutendsten Vertreter der heutigen Systemtheorie. Ein Hintergrundgespräch</em></strong><em>. (<a href="http://www.theateramneumarkt.ch/">Theater Neumarkt</a>)</em></p>
<p><em>Mit dieser Beschreibung hatte uns das Theater Neumarkt zu einem seiner <a href="http://www.theaterneumarkt.ch/programm/programm/produktionen/salongespraeche">Salongespräche</a>, moderiert von Daniel Binswanger, gelockt. Immerhin hat ja Baecker, so viel wussten wir, gemeinsam mit Luhmann das Risikothema systemtheoretisch aufgearbeitet. An dieser Stelle setzt denn auch das Gespräch an. Baecker kommt schnell ins Reden &#8211; und das kann er auch gut (was im Wissenschaftsbetrieb ja nicht immer der Fall ist). Er erzählt, wie er und Luhmann versuchten, von der Bankenbranche aus, deren Kerngeschäft Risiken sind, eine Abstraktion zu leisten, die eine allgemeine Theoretisierung des Risikobegriffs erlaubt und damit auch eine Transferleistung, zum Beispiel in den Bereich von Hochrisikotechnologien. Ein zentraler Punkt dabei war, dass Risiken nicht einfach vorhanden sind sondern von der Gesellschaft erst in die Welt gesetzt werden. Anders gesagt: sie sind selbstreferentiell und systemimmanent. Er erzählt, wie er damals auf einem Kongress Banker zu überzeugen versuchte, nicht immer von Risiko und Sicherheit zu reden sondern von Risiko und Gefahr. Denn, so Baecker, Sicherheit können die Banken nie garantieren. Sie können nur versuchen, eine Gefahr in ein handhabbares Risiko  zu transformieren. Illustrieren kann man das an einem einfachen Beispiel: Gehe ich aus dem Haus, so besteht die <em>Gefahr</em>, dass mich irgendwann ein Regenguss erwischt. Ist es jedoch so,  dass ich weiss, dass es wahrscheinlich regnen wird und keinen Schirm mitnehme, dann gehe ich das <em>Risiko </em> ein, nass zu werden. Es geht hier um eine Unterscheidung, die sich in ähnlicher Weise als Risiko/Unsicherheit-Unterscheidung bei dem Klassiker <a href="https://www.msu.edu/~emmettr/fhk/">Frank Knight</a> findet. Nun, da die Bankenkrise aktuell ist, wird, so Baecker, eben genau dies sichtbar: In ihrer Illusion, alles sicher machen zu können, haben die Banken die Risiken der immer dichteren, systematischen Vernetzung zwischen ihren Organisationen übersehen. Eine Bank, die als “too big to fail” bezeichnet wird, ist kein handhabbares Risiko mehr &#8211; sie ist eine Gefahr. Und was die Banken als “sicher” verkauft haben, war hochgradig riskant – und teilweise gefährlich.</em></p>
<p><em>Besonders heikel wird die Lage jedoch dann, wenn die Banken die Wirtschaft übermässig mit Liquidität versorgen. So passiert um die Jahrhundertwende im Internet und im US Immobilienmarkt der 1990er und 2000er Jahre. In den aufsteigenden Blasen könne man, so Baecker, dann eben nicht mehr mit dem Idealmodell der Wirtschaftsstatistik, der Gaussschen Glocke, argumentieren. Wenn ein statistisches Modell für solche Situationen gefunden werden könne, dann sei vielleicht die Kurve nach Zipf  (siehe dazu ein <a href="http://www.nzz.ch/2001/11/21/ft/article7SC34.html">Artikel</a> der NZZ) hilfreich. Zipf war Linguist und erarbeitete ein Modell, das darstellt, wie in einem Text die Tendenz ein Wort noch einmal zu benutzen, mit jeder Nutzung steigt (wenn ich also hier “Systemtheorie” schreibe, taucht das Wort mit einer höheren Wahrscheinlichkeit im Text wieder auf). So ähnlich kann man sich das vorstellen, wenn in der Wirtschaft eine Blase heranwächst. Investitionen verdichten sich und ziehen immer mehr Investitionen an. Bis der Text zu Ende ist und die Geschichte abbricht.</em></p>
<p><em> </em></p>
<p>Und nun? Während wir das Gespräch weiter verfolgen, kommt ein kleiner Verdacht des Fatalismus auf. Baecker erklärt, die Verdichtung von Investitionen, Lockerung von Regelungen, das Platzen der Blasen und die darauf folgende staatliche Intervention sei bisher an jeder Wirtschaftskrise zu beobachten gewesen. Er sieht nicht den Staat als geschwächten Akteur; das was schwach zu sein scheint, ist die Möglichkeit der beiden Systeme, ihr Verhältnis etwas weniger schematisch zu gestalten, gewissermassen auszubrechen aus der immer gleichen Dynamik, wie sie sich im 20. Jahrhundert beobachten lässt. Wie das geschehen könnte, bleibt unausgesprochen.</p>
<p>Binswanger macht nun noch ein anderes Thema auf und nimmt dabei Bezug auf den Sammelband <em>Kapitalismus als Religion</em><em>: </em>Ob denn nun, so wie man das in den letzten Monaten ab und zu wieder liest, der Kapitalismus unsere wahre Religion sei? Wieder erzählt Baecker. Darüber, wie er in den 90er Jahren auf ein <a href="http://raumgegenzement.blogsport.de/2009/11/02/walter-benjamin-kapitalismus-als-religion-fragment-1921/">Fragment</a> von Walter Benjamin stiess, das den Kapitalismus in seiner Unterwerfungsfunktion mit der Religion gleichsetzt. Und wie er dann eine lange Zeit damit verbracht hat, zu versuchen, diese beiden Phänomene, die Benjamin in so ungeheuerliche Nähe gebracht hatte, wieder auseinander zu ziehen. Die Religion, so Baecker, ist eine Risikogemeinschaft. Sie schafft jetzt eine Gemeinde, die morgen da ist, für den Fall, dass unsere moderne Existenz an ihre Grenzen stösst. Anders gesagt: Kommt die (wirklich) grosse Krise, stellen traditionsorientierte, religiöse Gemeinschaftsformen (Sippen, Clans usw.) die Reserve für eine Gesellschaft dar, deren moderne Vergesellschaftungsformen obsolet oder unmöglich geworden sind. Ein bisschen staune ich da schon: Wie ist das dann mit den individualisierten religiösen Vorstellungen, den vielen Bricolage- und Privatreligionen (Pardon: Spiritualitäten)? Und sind die modernen religiösen Bewegungen tatsächlich nur “Reserven” aus der Vergangenheit?</p>
<p>Nun, wir haben einiges gelernt; über Theorietransfer und darüber, wie eine theoretische Intuition einen Ausgangspunkt für ein dauerhaftes und spannendes Thema liefern kann. Und auch wenn Baecker keine Ratschläge an Politik und Wirtschaft erteilen mag, so bieten die aktuellen Ereignisse genug Gelegenheit, sich Baeckers Ausführungen (wieder) einmal anzuschauen.</p>
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		<title>&#8220;Verweile doch, du bist so schön!&#8221; Ein Vortrag von Enno Rudolph</title>
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		<pubDate>Sun, 16 May 2010 20:53:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marianne Jossen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reportagen]]></category>
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		<description><![CDATA[Am 22. Oktober des vergangen Jahres hielt Enno Rudolph in Luzern einen Vortrag mit dem Titel »Verweile doch, Du bist so schön!« Oder ausformuliert: »Die ästhetische Zeiterfahrung und ihre Konkurrenten in Wissenschaft und Philosophie.« Der Vortrag fand im Rahmen einer Veranstaltungsreihe der „Freien Vereinigung Gleichgesinnter Luzern“ (FVGL) statt.
Enno Rudolph unterscheidet zwischen der wissenschaftlichen, der philosophisch oder religiösen, sowie der ästhetischen Zeit. Dementsprechend ist der Vortrag in drei Teile gegliedert, wobei der Hauptakzent auf dem dritten Teil der ästhetischen Zeiterfahrung liegt. Hier die Einführung:


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Die Wissenschaft versucht mit Instrumenten der ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 22. Oktober des vergangen Jahres hielt Enno Rudolph in Luzern einen Vortrag mit dem Titel »Verweile doch, Du bist so schön!« Oder ausformuliert: »Die ästhetische Zeiterfahrung und ihre Konkurrenten in Wissenschaft und Philosophie.« Der Vortrag fand im Rahmen einer Veranstaltungsreihe der „Freien Vereinigung Gleichgesinnter Luzern“ (FVGL) statt.</p>
<p>Enno Rudolph unterscheidet zwischen der wissenschaftlichen, der philosophisch oder religiösen, sowie der ästhetischen Zeit. Dementsprechend ist der Vortrag in drei Teile gegliedert, wobei der Hauptakzent auf dem dritten Teil der ästhetischen Zeiterfahrung liegt. Hier die Einführung:</p>
<p><object id="xrP684c282b302b424ab2ac35cf0b86e411" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="600" height="337" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="data" value="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=684c282b302b424ab2ac35cf0b86e411&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff" /><param name="allowNetworking" value="all" /><param name="allowScriptAccess" value="always" /><param name="allowFullScreen" value="True" /><param name="wmode" value="opaque" /><param name="src" value="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=684c282b302b424ab2ac35cf0b86e411&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff" /><param name="name" value="xrPlayerEmbeded684c282b302b424ab2ac35cf0b86e411" /><param name="allowfullscreen" value="True" /><embed id="xrP684c282b302b424ab2ac35cf0b86e411" type="application/x-shockwave-flash" width="600" height="337" src="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=684c282b302b424ab2ac35cf0b86e411&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff" name="xrPlayerEmbeded684c282b302b424ab2ac35cf0b86e411" wmode="opaque" allowfullscreen="True" allowscriptaccess="always" allownetworking="all" data="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=684c282b302b424ab2ac35cf0b86e411&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff"></embed></object></p>
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<p>Die Wissenschaft versucht mit Instrumenten der Zeitmessung die Zeit zu quantifizieren. Man will die Zeit messen, um sie zu objektivieren. Es ist der Versuch, eine Ordnung zu konstituieren, welche die Verständlichkeit von Abläufen ermöglichen soll. Damit haftet diesem Zeitbegriff aber bereits ein erstes Problem an, denn die Zeit ist irreversibel. Eine blühende und eine verwelkte Blume sind nicht dasselbe und es erfordert einen weitreichenden Identitätsglauben, um die offensichtlichen Unterschiede zu ignorieren. Es scheint hierin auch bereits ein Sensibilitätsverlust für die Ultimativität der Zeit zu liegen, welche in philosophischen oder religiösen Zeitbegriffen thematisiert wird.</p>
<p><object id="xrP81c323c37bf6414b85b881bd91c3e040" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="600" height="337" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="data" value="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=81c323c37bf6414b85b881bd91c3e040&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff" /><param name="allowNetworking" value="all" /><param name="allowScriptAccess" value="always" /><param name="allowFullScreen" value="True" /><param name="wmode" value="opaque" /><param name="src" value="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=81c323c37bf6414b85b881bd91c3e040&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff" /><param name="name" value="xrPlayerEmbeded81c323c37bf6414b85b881bd91c3e040" /><param name="allowfullscreen" value="True" /><embed id="xrP81c323c37bf6414b85b881bd91c3e040" type="application/x-shockwave-flash" width="600" height="337" src="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=81c323c37bf6414b85b881bd91c3e040&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff" name="xrPlayerEmbeded81c323c37bf6414b85b881bd91c3e040" wmode="opaque" allowfullscreen="True" allowscriptaccess="always" allownetworking="all" data="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=81c323c37bf6414b85b881bd91c3e040&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff"></embed></object></p>
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<p>Die Religionen haben verschiedene Lösungsangebote zum Problem der ständigen Befristetheit des eigenen Lebens gemacht. Die Säkularisierung hat der Religion aber die Deutungshoheit über den Sinn des Lebens aberkannt. Die Angst vor dem Tod muss nunmehr auf anderen Wegen kompensiert werden. Hier kommt die Philosophie ins Spiel. Martin Heidegger bewertet den Tod als letzte sinngebende Instanz des menschlichen Lebens überhaupt und sieht genau darin die Bewältigung des Todes. Man muss ein Leben mit dem Tod arrangieren, &#8211; den Tod in das Leben holen. Hier unterscheidet sich Heidegger von Sartre, welcher im Tod eine Nichtung aller menschlichen Möglichkeiten sieht.</p>
<p><object id="xrP96bb4d8e186740198e1bdfc90e84ca99" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="600" height="337" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="data" value="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=96bb4d8e186740198e1bdfc90e84ca99&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff" /><param name="allowNetworking" value="all" /><param name="allowScriptAccess" value="always" /><param name="allowFullScreen" value="True" /><param name="wmode" value="opaque" /><param name="src" value="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=96bb4d8e186740198e1bdfc90e84ca99&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff" /><param name="name" value="xrPlayerEmbeded96bb4d8e186740198e1bdfc90e84ca99" /><param name="allowfullscreen" value="True" /><embed id="xrP96bb4d8e186740198e1bdfc90e84ca99" type="application/x-shockwave-flash" width="600" height="337" src="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=96bb4d8e186740198e1bdfc90e84ca99&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff" name="xrPlayerEmbeded96bb4d8e186740198e1bdfc90e84ca99" wmode="opaque" allowfullscreen="True" allowscriptaccess="always" allownetworking="all" data="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=96bb4d8e186740198e1bdfc90e84ca99&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff"></embed></object></p>
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<p>Mit Kant gesprochen ist der Ästhet jener Mensch, der im Schönen die Entlastung vom Nützlichen findet. Fast überall im Alltag müssen wir gezwungenermassen zwischen nützlichen, teuren oder prestigeträchtigen Gegenständen unterscheiden. Wenn der Ästhet aber ein schönes Gemälde betrachtet, will er es nicht besitzen, sondern vielmehr den Moment der Anschauung geniessen. Die Kunst hilft insofern die Gegenwart vor ihrer eigenen Zukunft zu bewahren. Die Ästhetik verfolgt eine Zweckmässigkeit ohne Zweck und kann sich darum der Konkurrenz entziehen. Sie ist das Gegenstück zu aller ökonomischen und quantitativen Zeit. Enno Rudolph weist jedoch daraufhin, dass auch hierin eine Tragik liege, biete die eigene Gesellschaftsgeschichte doch so wenig Platz für die ästhetische Zeit. Vielmehr wird die Knappheit der ästhetischen Gegenstände benutzt, um diese wiederum als Verkaufsobjekte in den Markt einzuführen.</p>
<p><object id="xrPa3f47207eebc4a3aa5ed17ac69b3020d" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="600" height="337" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="data" value="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=a3f47207eebc4a3aa5ed17ac69b3020d&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff" /><param name="allowNetworking" value="all" /><param name="allowScriptAccess" value="always" /><param name="allowFullScreen" value="True" /><param name="wmode" value="opaque" /><param name="src" value="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=a3f47207eebc4a3aa5ed17ac69b3020d&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff" /><param name="name" value="xrPlayerEmbededa3f47207eebc4a3aa5ed17ac69b3020d" /><param name="allowfullscreen" value="True" /><embed id="xrPa3f47207eebc4a3aa5ed17ac69b3020d" type="application/x-shockwave-flash" width="600" height="337" src="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=a3f47207eebc4a3aa5ed17ac69b3020d&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff" name="xrPlayerEmbededa3f47207eebc4a3aa5ed17ac69b3020d" wmode="opaque" allowfullscreen="True" allowscriptaccess="always" allownetworking="all" data="http://exposureroom.com/flash/XRVideoPlayer2.swf?domain=exposureroom.com/&amp;assetId=a3f47207eebc4a3aa5ed17ac69b3020d&amp;size=md&amp;titleColor=%23ffffff"></embed></object></p>
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<p style="padding-left: 60px;"><span style="color: #808080;"><strong>Enno Rudolph</strong>, geboren 1945 in Oldenburg, ist Professor für Philosophie und Leiter des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Luzern. Er studierte Philosophie und evangelische Theologie in Münster und Heidelberg. Im Jahr 1974 promovierte er mit einer Dissertation über Kant und habilitierte sich 1983 mit einer Schrift über Aristoteles. Bevor er aber nach Luzern kam, war er von 1977 bis 1999 Leiter des philosophischen Arbeitsbereiches des Interdisziplinären Forschungsinstituts/FEST in Heidelberg. Ab 1990 war er dann außerplanmäßiger Professor für Religionsphilosophie an der Universität Heidelberg. Nach dreijähriger Amtszeit als Professor für Philosophie in Luzern, gründete er 2003 das Kulturwissenschaftliche Institut (KWI), dessen Leitung er bis heute inne hat. Zu seinen vielen Schwerpunkten und Spezialgebieten gehören sicherlich die Kulturphilosophie (Cassirer-Forschung), die Wirkungsgeschichte der Antike und die Philosophie der Renaissance.</span></p>
<p>Bild: Frank Meissner und Marianne Jossen<br />
Text: Tobias Brücker</p>
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		<title>Das Rechtssystem, der Mensch und der Computer</title>
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		<pubDate>Tue, 04 May 2010 12:59:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias Brücker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reportagen]]></category>
		<category><![CDATA[Bruno Latour]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[Niklas Luhmann]]></category>
		<category><![CDATA[Recht]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Zeitalter der digitalen Revolution entstehen völlig neue Herausforderungen für das Rechtssystem. Menschen und Informationssysteme verstricken sich immer stärker  in den verschiedenen Anwendungen des Internets. Digitale Bankdaten, „social networks“ oder organisationsinterne „Intranets“ sind nur einige der vielen Beispiele. Das traditionelle subjektive Recht scheint nicht mehr auszureichen, um die Grundrechte im digitalen Zeitalter zu sichern. Selbstverständlich ruft das schlagartig die Konzepte von Bruno Latour auf den Plan. Im Rahmen des soziologischen Kolloquiums der Universität Luzern vom Mittwoch den 20. April fand ein Vortrag zu dieser Thematik statt. Er wurde gehalten ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Zeitalter der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Digitale_Revolution">digitalen Revolution</a> entstehen völlig neue Herausforderungen für das Rechtssystem. Menschen und Informationssysteme verstricken sich immer stärker  in den verschiedenen Anwendungen des Internets. Digitale Bankdaten, „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Soziales_Netzwerk_%28Internet%29">social networks</a>“ oder organisationsinterne „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Intranet">Intranets</a>“ sind nur einige der vielen Beispiele. Das traditionelle <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Subjektives_Recht">subjektive Recht</a> scheint nicht mehr auszureichen, um die Grundrechte im digitalen Zeitalter zu sichern. Selbstverständlich ruft das schlagartig die Konzepte von <a href="http://www.contextblog.ch/?p=242">Bruno Latour</a> auf den Plan. Im Rahmen des soziologischen Kolloquiums der Universität Luzern vom Mittwoch den 20. April fand ein Vortrag zu dieser Thematik statt. Er wurde gehalten von <a href="http://www.unilu.ch/deu/karavas,-vagias_268915.html">Professor Vagias Karavas</a> und trägt den etwas lange Titel: „Digitale Grundrechte: Ein Beitrag zur Verankerung des Grundrechtsschutzes in einer Epistemologie hybrider Assoziationen zwischen Mensch und Computer.“</p>
<p>Ausgang der Argumentation war folgender Gerichtsentscheid: Am 27.02.2008 fällt das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) zu einer vorgesehenen Online-Durchsuchung ein wegleitendes und aufsehenerregendes Urteil. Das Gericht hat nämlich vom Grundgesetz ein neues Grundrecht abgeleitet, das die Presse als &#8220;Computer-Grundrecht&#8221; oder &#8220;IT-Grundrecht&#8221; tituliert. Es soll die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Grundrecht_auf_Gew%C3%A4hrleistung_der_Vertraulichkeit_und_Integrit%C3%A4t_informationstechnischer_Systeme">Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme</a> sichern.</p>
<p>Beginnen wir am Anfang. Prof. Dr. Vagias Karavas erläutert die Grundrechte ausgehend von Luhmanns funktionaler Differenzierung und damit Autonomisierung des Rechtssystems. Grundrechte schützen die Autonomie der verschiedenen Gesellschaftssphären und die des Individuums. Karavas betont, dass Luhmanns Konzeption, wenn es um das Internet geht, nicht genügend Tiefenschärfe entwickelt hat. Denn im Internet kommt ein völlig neuer Aspekt gegenüber der Schrift hinzu. Wo die Technik des Schreibens bei der Schrift als einfache Umwelt abgetan werden konnte, ist beim Computer diese Grenze gar nicht mehr zu ziehen. Beispiele dafür seien die Code- bzw. Programmiersprachen, welche gegenüber dem Inhalt schon fast primär und von grosser Wichtigkeit sind. Des Weiteren können technische Kommunikationsmittel die Zeit asymetrisieren und manipulieren. Dies gelingt durch die Umwandlung der Informationen in numerische Zeichen, welche berechenbar und darum für Maschinen lesbar gemacht werden.</p>
<p>Kommt es durch diese zunehmende Technisierung der Kommunikation zu einem Verschwinden der Sozialität? Ganz im Gegenteil, meint Karavas. Es gebe eine Erweiterung der Sozialität, womit wir wieder bei Latour wären. Ebenso wie Latour die Waffe und den Menschen nicht vollkommen separiert, können wir auch bei Personalinformationssystemen keine einfache Trennung vornehmen. Vielmehr ist die  Verstrickung oder Durchsetzung dieser Systeme mit dem Menschen so gross, dass wir mit Latour von Hybriden sprechen sollten. Eine Hybridisierung also von Menschen und informationstechnischen Systemen. Das subjektives Recht hier nicht mehr weit kommt, scheint klar. Umso interessanter zu beobachten, mit welchen neuen Strukturen in Zukunft gearbeitet wird, um diesen „Komplexitätsüberschuss“ zu reduzieren.</p>
<p>Was für das Rechtssystem im Besonderen besprochen wurde, steht natürlich für viele Funktionssysteme zur Debatte. So kann man sich etwa fragen, ob die zunehmende Hybridisierung zu einer Netzwerkordnung und damit einer Unterlaufung der funktionalen Differenzierung führen könnte. Mir scheint die Frage hierbei vor allem im Grad der Überforderung von Funktionssystemen zu liegen. Solange man in der Semantik die Modifikationen vornehmen kann, wird auch Komplexitätsreduktion möglich sein. Wenn aber die Gesellschaftsstruktur selber durch den Computer und das Internet komplett überfordert würde, könnte es zu einer Katastrophe kommen. Dies wiederum ist die Bedingung, um die jetzige, stabile Gesellschaftsstruktur zu ändern. Ob eine solche Entwicklung prognostiziert oder vermutet werden kann, steht zur Debatte.</p>
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		<title>Ankündigung: Vortrag von Peter Fuchs am 9. April</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Mar 2010 08:06:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marianne Jossen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ankündigung]]></category>
		<category><![CDATA[Niklas Luhmann]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Fuchs]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologische Theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Systemtheorie]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Freitag 9. April 2010 kommt Peter Fuchs für einen Vortrag an die HSLU zum Thema &#8220;Auf dem Weg zu einer Allgemeinen Theorie von Sinnsystemen (ATS).&#8221; Wer sich bis zum 5. April anmeldet ist dabei, wenn Fuchs versucht, die Gesellschaftstheorie Luhmanns auf Systemrealitäten wie beispielsweise jene der Psyche zu beziehen.
Die HSLU schreibt dazu: Peter Fuchs, emeritierter Professor für Soziologie, hat in den letzten Jahren kontinuierlich an der Weiterentwicklung der soziologischen Systemtheorie gearbeitet. Dabei hat er sich unter anderem in zahlreichen Publikationen mit der Systemtheorie als Theorie psychischer Systeme auseinander gesetzt ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Freitag 9. April 2010 kommt Peter Fuchs für einen Vortrag an die <a href="http://www.hslu.ch/sozialearbeit/s-veranstaltungen.htm?ve_id=2604">HSLU</a><a href="https://saweb.hslu.ch/WeVe/PopupAnlassAnmeldung.aspx?idAnlass=53025"></a> zum Thema &#8220;Auf dem Weg zu einer Allgemeinen Theorie von Sinnsystemen (ATS).&#8221; Wer sich bis zum 5. April <a href="https://saweb.hslu.ch/WeVe/PopupAnlassAnmeldung.aspx?idAnlass=53025">anmeldet</a> ist dabei, wenn Fuchs versucht, die Gesellschaftstheorie Luhmanns auf Systemrealitäten wie beispielsweise jene der Psyche zu beziehen.</p>
<p>Die HSLU schreibt dazu: Peter Fuchs, emeritierter Professor für Soziologie, hat in den letzten Jahren kontinuierlich an der Weiterentwicklung der soziologischen Systemtheorie gearbeitet. Dabei hat er sich unter anderem in zahlreichen Publikationen mit der Systemtheorie als Theorie psychischer Systeme auseinander gesetzt – mit besonderer Beachtung der Schnittstellen von Kommunikation und Bewusstsein. Als Resultat dieser Studien schlägt Prof. Dr. Fuchs vor, die auf Niklas Luhmann zurückgehende Systemtheorie nicht nur als Theorie sozialer Systeme, sondern als Allgemeine Theorie von Sinnsystemen (ATS) zu konzipieren. In seinem Vortrag skizziert er die Gründe für diesen Vorschlag. Er illustriert seine wissenschaftlichen Überlegungen wie gewohnt mit anschaulichen Beispielen und zeigt dabei die Relevanz der theoretischen Argumente für die professionellen Praxisfelder auf, in welchen die Systemtheorie als theoretische Grundlage genutzt wird. Der Vortrag wird etwa eine Stunde dauern. Danach bietet sich Ihnen die Möglichkeit, Prof. Dr. Fuchs Fragen zu stellen. Der Anlass klingt im Rahmen eines Apéros aus, der Gelegenheit zu weiteren Diskussionen und zur Vernetzung gibt.</p>
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		<title>Frühstück mit Bruno Latour</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Mar 2010 09:16:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marianne Jossen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[featured]]></category>
		<category><![CDATA[Actor Network Theory]]></category>
		<category><![CDATA[Bruno Latour]]></category>
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		<description><![CDATA[Bruno Latour hat aus Anlass der Schweizer Biennale zu Wissenschaft, Kunst und Ästhetik 2010 Luzern besucht. Am Rande der Veranstaltung (Context hat berichtet) ist es uns gelungen, Bruno Latour für ein Interview beim Frühstück zu gewinnen. Latour gibt uns breitwillig Auskunft; erläutert seine Theorie und sich selber und erklärt, wie man gleichzeitig kritisch sein und die kritische Tradition kritisieren kann&#8230;

Marianne: Yesterday at the conference, a subject discussed was the difference between intentional subjects – humans – and non-intentional nature. I had the impression that the concept of actants is try ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bruno Latour hat aus Anlass der Schweizer <a href="http://www.neugalu.ch/d_bienn_2010.html">Biennale zu Wissenschaft, Kunst und Ästhetik 2010</a> Luzern besucht. Am Rande der Veranstaltung (Context hat <a href="http://www.contextblog.ch/?p=153">berichtet</a>) ist es uns gelungen, Bruno Latour für ein Interview beim Frühstück zu gewinnen. Latour gibt uns breitwillig Auskunft; erläutert seine Theorie und sich selber und erklärt, wie man gleichzeitig kritisch sein und die kritische Tradition kritisieren kann&#8230;</p>
<p><a href="http://www.contextblog.ch/wp-content/uploads/2010/03/Latour_Capra.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-245" title="Latour_Capra" src="http://www.contextblog.ch/wp-content/uploads/2010/03/Latour_Capra.jpg" alt="" width="400" height="266" /></a></p>
<p>Marianne: Yesterday at the conference, a subject discussed was the difference between intentional subjects – humans – and non-intentional nature. I had the impression that the concept of <em>actants</em> is try to overcome this distinction gap.</p>
<p>Latour: Yes, but „overcome“ not like <em>aufheben</em>, not in a Hegelian <em>overcoming</em>, but overcoming as dissolution. The first step to dissolve this impossible distinction is to precise that we talk about <em>actants</em>. It doesn’t matter if this is a computer or a human being or a star or an atom or whatever – they have agency. The second step is to look on how science is done in practice. You begin to look at the way ethnologists work with monkeys and how biologists work with microbes. Or you listen to physicists speaking about particles or astronomers about stars etc. The official discourse talks about “inert matter”. But in practice they are completely dancing, so to speak, with very elaborative agencies which have a lot of properties, which are not recorded in the official philosophy. In practice, the difference between in-animism and animism has never existed. But in theory, it is a very important thing – people will say that only humans have intention, as if this cup (deutet auf seine Kaffeetasse) would have absolutely no agency. So my experience is very simple: let’s do without the cup, let’s have this coffee without the cup. Can you do it? No. Then, this means it is an actor – I mean, it does something to your course of action and you can’t cut it, just because your philosophy says that the types of agency are absolute. It’s a very straightforward empirical question.</p>
<p>Sometimes there are questions which shouldn’t be overcome, they should just be ignored. If not, you fix a divide and then you imagine a solution to overcome it. That means that you have two absurdities and now you add a third.</p>
<p>Marianne: Do you have an explanation why this discussion has persisted for so long?</p>
<p>Latour: Well, because this distinction has a very important political aim, which is to establish the <em>constitution</em> of the whole of our western collective existence. If I was beginning to say that humans have the same intentions than a tea-cup, then this would raise up all sorts of questions – for example legal questions.</p>
<p>Once you have dissolved the absolute divide, there are lots of interesting questions raising about differences in types of agency. The great divide is maintained for reasons that have absolutely nothing to do with practice and the same holds for the whole modernist constitution.</p>
<p>Stefan: You have used the word “political” quite often. What notion of politics do you have?</p>
<p>Latour: Politics is the organization of a common world. In western societies it organizes political epistemology. That means it organizes the distribution of power between science on one hand and human assemblies on the other. This was before ecology, before Kopenhagen and all sort of other “events” which have completely transformed this old idea of politics that speaks only about humans.</p>
<p>Marianne: But if we accept, that things or actants are in our politics, if, for example, we consider the brain as an object in our politics and law, this would totally destroy it.</p>
<p>Latour: Yes, maybe, but the brain has been in criminology from the mid nineteenth century on, or even earlier with phrenology. When you add a scientific object like the brain in a discussion, it becomes much more complicated and interesting: You have an ethicist talking about human intention in a very complex thinking and you have some silly brain scientists coming in with a very naïve reductionist idea of a brain, this is step one. Step two: the brain scientists begin to dispute with one another and the brain is very complicated, so the discussion begins to go in all sorts of directions. So now, your ethicist has become very boring with his ever same claims about human intention. The result is, that every single time when you have a scientific object in this state of affair, public or not, you get much more interesting and less closed definition of what it is to act.</p>
<p>I often show my students a picture I took of the biggest brain scientist meeting, which happens every two years. And there, it’s a big room with 25’000 posters. It’s so big and it’s so impossible to simplify. And the same scientist who will engage in court will write a paper in a newspaper and say “we now have a final, definitive idea about what the brain does in criminal acts”. So, if we are dealing with a science of description and not with preaching about differences, this is the sort of situation you will find.</p>
<p>Marianne: While studying your actor-network theory, I had the impression that if we began to unfold a network, we could, in theory extend it, unlimited in space and time. So aren’t you also practicing some holism in fact? Everything is related to everything?</p>
<p>Latour: Well, look at this machine (er deutet auf mein Iphone, das unser Gespräch aufnimmt). It is probably made of around 10.000 components. And yet, when it works, it works as one. Here we are concentrated on it because we want to be sure it records but if you were just calling a friend of yours, you wouldn’t even consider it as one, you would consider it as you because it will actually be just one step in the course of your action.</p>
<p>So, you see the multiplicity of an actant only if there is an “epreuve”, a trial. Not necessarily a breakdown but it has to be something that is empirically, I mean physically, traceable.</p>
<p>If you transform this into a theoretical argument, everything is connected with anything, it loses its interest completely. Because, of course, having the thing working as one, is what makes engineers work day and night. Because as long as it’s made of many parts, it doesn’t work as a technical object.</p>
<p>Marianne: What ontological status do the networks have, then?</p>
<p>Latour: Network is a purely conceptual tool. It is, what allows you to trace but it’s not what is traced. The network is just what can appear in the writing.</p>
<p>Marianne: I’ve heard very different opinions about your work. Can you explain why your reception is so controversial?</p>
<p>Latour: (Lacht) Because it’s new and original and funny and people are boring and repetitive…More serious it’s maybe because before, people had not realized that to serious science, all these things, these objects were attached. And not that many people were interested in the end of modernism &#8211; they were still thinking that we are modernizing our community. Our work, as it’s not only mine, was received that controversially because it deals with science in a way completely unorthodox at a time when politically, the end of modernism is sort of felt but not really diagnosed. I see my work as a positive diagnosis of the end of modernism. This is an irritating thing because it irritates the modern but also the postmodern.</p>
<p>And then, there’s another point, it’s that my work is not clearly associated with the left or the right. All of these questions about political ecology are very tricky, since with most people, the only reaction is this: left or right, progressive or reactive… Lot’s of positions in sociology can be much more easily mapped.</p>
<p>And then, I write clearly. And that’s a great disadvantage. If I was writing like Luhmann or Deleuze or Giddens, in such a heavy stile, I would be much more respected… And the other disadvantage is that I write in a funny way: people hate when it’s funny. If it’s funny, it can’t be serious&#8230;</p>
<p>Marianne: In your writings you clearly speak against a critical position in sociology. But aren’t you yourself a critic? Aren’t you also someone who shows the reality of actants behind the modernist ideology?</p>
<p>Latour: Yes, I think you can’t disinvent criticism. I explored this in Iconoclash, where I tried to show what it means to suspend the critical gesture. My answer would be: I try to render criticism more costly, less easily. In the eighteenth century, criticism was hard and you had to pay a high price. But now, if you are in your first seminary about Bourdieu in Lucerne, you will criticise religion, science, economy and it costs you nothing. People will proudly say “we are critical in the sense of Diderot and Kant.” But it’s not true because it costs nothing. Criticizing economy costs nothing. I try to make this more costly firstly by empirical enquiry. I don’t believe one word of critique, if I don’t get an interesting empirical description of what is criticized.</p>
<p>Marianne: One last question. What would you advise a student of sociology to study these times?</p>
<p>Latour: I think economics. Everything that makes clear, what economics is as a practice. Science is, of course, extremely interesting but in a way people don’t just encounter science. We encounter economics everywhere. And now, there is quite a rich field. Because even if there were lots of work done in history on how economics grew and expanded and grasped the world, but what we need to understand is economics are. If we don’t, politics will be continuously blocked by that.</p>
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		<title>Cyber-Mobbing und Ben X</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Feb 2010 23:30:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias Brücker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Ben X]]></category>
		<category><![CDATA[Cyber-Mobbing]]></category>
		<category><![CDATA[social networks]]></category>

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		<description><![CDATA[ 
Ben X, das grossartige Regiedebut von Nic Balthazar, handelt von einem  17-Jährigen, der am Asperger-Syndrom leidet. Dies scheint zumindest der kleinste gemeinsame Nenner der unzähligen Konsultationen bei Psychologen und Ärzten zu sein. Während er in der Schule ein hilfloses Opfer der pubertären Grausamkeit  ist, brilliert er im Computerspiel „Archlord“ als hünenhafter Kämpfer Ben X. Einziger sozialer Kontakt ist seine Gamegefährtin Scarlite, mit der er sich durch unzählige Abenteuer gekämpft hat. Selbst seine Mutter, sein  Vater und der kleine Bruder scheinen nicht an Ben heranzukommen. Die Geschichte stützt sich auf ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.contextblog.ch/wp-content/uploads/2010/02/cover.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-216" title="cover" src="http://www.contextblog.ch/wp-content/uploads/2010/02/cover-211x300.jpg" alt="" width="290" height="411" /></a><a href="http://www.benx.kinowelt.de/">Ben X</a>, das grossartige Regiedebut von Nic Balthazar, handelt von einem  17-Jährigen, der am Asperger-Syndrom leidet. Dies scheint zumindest der kleinste gemeinsame Nenner der unzähligen Konsultationen bei Psychologen und Ärzten zu sein. Während er in der Schule ein hilfloses Opfer der pubertären Grausamkeit  ist, brilliert er im Computerspiel <a href="http://archlord.webzen.net/">„Archlord“</a> als hünenhafter Kämpfer Ben X. Einziger sozialer Kontakt ist seine Gamegefährtin Scarlite, mit der er sich durch unzählige Abenteuer gekämpft hat. Selbst seine Mutter, sein  Vater und der kleine Bruder scheinen nicht an Ben heranzukommen. Die Geschichte stützt sich auf den Selbstmord eines 17-Jährigen im belgischen Gent, welcher virtuell gemobbt und damit zu Tode gequält wurde. Ein hochaktuelles Thema, dass schwierig messbar ist und mit dem heute fast jeder Jugendliche und immer mehr Erwachsene konfrontiert werden.</p>
<p style="text-align: left;">
<p style="text-align: left;">Greg Timmermanns macht in diesem Film eine atemberaubende Rolle, die mich zu mutigen Vergleichen anregt: Ich denke an Kaspar Hauser (Bruno S.) in Werner Herzogs <a href="http://imdb.com/title/tt0071691/">„Jeder für sich oder Gott gegen alle“</a> oder an John Merrick (John Hurt) in David Lynch’s <a href="http://imdb.com/title/tt0080678/">„Elephant Man“</a>. Das Zittern der Hände oder die Unfähigkeit kontrollierter sozialer Verhaltensweisen machen den Schauspieler als solchen fast unsichtbar.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.contextblog.ch/wp-content/uploads/2010/02/xl11672.jpg"><img class="size-full wp-image-221 aligncenter" title="xl11672" src="http://www.contextblog.ch/wp-content/uploads/2010/02/xl11672.jpg" alt="" width="400" height="216" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Der Film löst im Zuschauer enorme Betroffenheit aus. Das liegt zum einen an unseren eigenen Erfahrungen aus der Schulzeit; aber auch an der Ohnmacht, in welche der Film uns katapultiert. Als Zuschauer kann man geradezu beobachten, wie selbst die wenigen hilfsbereiten Menschen in Ben’s Umfeld falsch handeln. Statt ihn zu integrieren, wird er in jeder Hinsicht speziell behandelt und damit isoliert. Dies zeigt sich bereits im Tonfall, der Anspannung und der Mimik, mit welchem die Leute auf ihn zugehen. Man fragt sich zurecht, ob nicht das Umfeld ihn zu einem Verrückten macht. Die Folge davon ist eine weiteres Abgleiten in die Weiten der Gamewelt. Nun gelingt diese Weltflucht aber nur so lange, bis die Grausamkeiten ihm jede Ablenkung nehmen. Seine Mitschüler haben nämlich Handy-Videos ins Internet geladen, auf denen Ben in ängstlich verstörter Haltung auf einem Pult ausgestellt ist. Plötzlich wird ihm die Hose runtergezogen und die Mitschüler johlen und lachen. Es wäre der perfekte Amoklauf-Film geworden, hätte der Regisseur sich auf das steigende Rachebedürfnis eingelassen. Stattdessen werden die Mitschüler durch Ben’s die fehlende Rede- und Verteidigungskompetenz noch geschützt.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.contextblog.ch/wp-content/uploads/2010/02/xl11669.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-228" title="xl11669" src="http://www.contextblog.ch/wp-content/uploads/2010/02/xl11669.jpg" alt="" width="400" height="216" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Wer jetzt denkt, der Film richte sich gegen virtuelle Computergames, liegt damit ziemlich falsch. In einem <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/27/27972/1.html">Interview für Telepolis</a> sagt Nic Balthazar nämlich: „Bevor ich den Film gemacht habe eigentlich nicht. Aber natürlich habe ich mich dann, schon aus Recherchegründen, damit auseinander gesetzt. Ich habe so eine neue, faszinierende Welt kennen gelernt. Oft hört man ja, dass Computerspiele die Jugend verdummen würde. Meine Erfahrung war, dass es Spiele gibt die richtig poetisch sind und einen nicht dümmer machen, sondern im Gegenteil. Mittlerweile bin ich sogar der Meinung, dass es die Erwachsenen sind, die borniert sind und sich hinter dem Argument, Computerspiele würden die Jugend verdummen, verstecken, um sich nicht mit einer neuen Kulturform beschäftigen zu müssen.“ Die Parallelwelt von Game und Realität bilden also nicht im geringsten ein Hinweis auf die Gefahren einer Gamewelt. Vielmehr zeigt der Film durch die virtuelle Kontrastierung in genialer Weise die grausamen Eigenheiten der Realität auf. Die virtuellen Welten, die uns immer mehr umgeben, lassen uns zum ersten Mal die sozialen Eigenheiten der Realität begreifen. Oder anders formuliert: Die realen Sozialbeziehungen werden angesichts von social networks kontingent.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.contextblog.ch/wp-content/uploads/2010/02/xl11668.jpg"><img class="size-full wp-image-222 aligncenter" title="xl11668" src="http://www.contextblog.ch/wp-content/uploads/2010/02/xl11668.jpg" alt="" width="400" height="216" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Mobbing ist selbstverständlich kein neues Phänomen. Nur dass dem hobbes‘schen Menschenwolf im 21. Jahrhundert ganz neue Werkzeuge zur Verfügung stehen. Der Begriff <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Cyber-Mobbing">Cyber-Mobbing</a> ist diesbezüglich schon längst keine Seltenheit mehr. Die enorm schnelle Verbreitung und Zugänglichkeit der Mobbingaktion versetzen den Betroffenen in eine Art Panoptikumsituation, gegen die er nichts ausrichten kann. Dies liegt an der Undurchschaubarkeit des Personenkreises bzw. des Netzwerkes, welches sich um das Gerücht, das Video oder die Bilder gesammelt haben. Die Folge davon ist eine umfassende Vereinnahmung des Betroffenen, indem ihm mit Simmel gesprochen kein „sozialer Kreis“ mehr übrig bleibt. Wo sich das Mobbing früher auf einzelne Kreise bezog, aus denen man sich zurückziehen konnte, ist das moderne „social network“ hierarchie- und potenziell grenzenlos. Genau so, wie die Myspace- und Facebook-Kontakte allesamt formal gleichwertige Freunde darstellen. Freunde sind Freunde; völlig egal ob Familie, Freundschaft, Bekanntschaft oder eine noch losere Bindung. Kurz gesagt: Die potentielle Verbreitbarkeit und Verbreitetheit nimmt ein undurchschaubares Mass an. Während man bei einem gezielten Mobbing seine Erwartungsstrukturen anpassen kann, ist dies bei umfassenden Netzwerken nicht mehr möglich. Es gibt keine Kontrollmechanismen, weil das Netzwerk ausserhalb jeder individuellen Reichweite liegt. Man hat es mit einem Unbestimmtheitsbereich zu tun, auf den man nur noch extrem reagieren kann. Im Film ist das der Suizidversuch, da Isolation nicht weiter möglich war.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.contextblog.ch/wp-content/uploads/2010/02/xl11678.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-223" title="xl11678" src="http://www.contextblog.ch/wp-content/uploads/2010/02/xl11678.jpg" alt="" width="400" height="216" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Auch die Täter- und Opferrolle ist in dieser Thematik nur sehr schwierig zu ziehen. Einerseits weil das Phänomen noch sehr neu ist und andererseits weil eine passive Weitergabe und Verbreitung der Mobbingaktion stattfindet. Während in der Face-to-Face Interaktion eine Mobbingaktion meistens aktiv von jemandem vollzogen werden muss, kennt das Internet nur anonyme Netzwerkbenutzer. Was will man den Benutzern von social networks schon vorwerfen, wenn sie die Beziehungsprobleme eines entfernten Bekannten auf ihren Profilseiten sehen. Was ist schon dabei ein Bild oder einen Youtubelink im Chat zu versenden? Dafür gibt es schlicht noch kein Bewusstsein und es ist fraglich, ob solche Netzwerke jemals selbstregulierend eines erzeugen. Jedenfalls bietet das Internet mit seinen social networks eine Verbreitbarkeit, die unmöglich mit realem sozialen Quatsch gewährleistet werden könnte. Der Aufwand an kommunikativen Akten wäre schlichtweg zu hoch. Darum braucht es konnten die ausserordentlich interessanten und speziellen Vorfälle die Massenmedien. Die Behauptung, dass social networks den normalen Menschen zu einem Popstar aufwerten, ist insofern gar nicht mal so falsch. So wird jeder Skandal interessant, egal ob man auch nur irgendetwas mit diesen Leuten am Hut hat. Wie die Massenmedien wird sozialen Netzwerken auf diese Weise eine Erwartungshaltung vermittelt, was im eigenen sozialen Netzwerk als Kenntnis vorausgesetzt werden kann. Was bei den Massenmedien ein Liftgespräch über das Erdbeben in Haiti, ist in den social networks ein Chat über die Bilder des besoffenen oder sich übergebenden Kollegen X.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.contextblog.ch/wp-content/uploads/2010/02/xl11676.jpg"><img class="size-full wp-image-224 aligncenter" title="xl11676" src="http://www.contextblog.ch/wp-content/uploads/2010/02/xl11676.jpg" alt="" width="400" height="216" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Der Film endet in einer Collagierung alternativer Schlussszenen, welche den endgültigen Suizid andeuten. Die anfangs starke Differenz von virtueller Gamewelt und Realität wird nach und nach mit durch das Auftauchen von Scarlite aufgelöst. Man weiss nämlich nicht, ob sie real oder nur in Ben’s Phantasie existiert. Letzteres wird des Öfteren ersichtlich: Etwa wenn die Kamera uns Ben allein zeigt, wo doch kurz zuvor noch Scarlite bei ihm sass. Eine andere Schlussszene lässt Ben auf seiner eigenen Beerdigung wiederkehren, indem er vor den Augen all seiner Quäler die Handyvideos auf eine grosse Leinwand projiziert. Im Endeffekt ist es nicht wichtig, welches Szenario wahr und welches falsch ist. Vielmehr geht es um die Erhaltung der Komplexität eines Themas, dass gar nicht in klassisch narrativer Weise behandelt werden kann. Dies ist der grosse Verdienst dieses Films. Er zieht einen Rahmen um die Unübersichtlichkeit, zeigt Lücken der Unbestimmtheit auf; anstatt sie in einem naiven Versuch aufzulösen.</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="425" height="344" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/o53sAEbFYjo&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="425" height="344" src="http://www.youtube.com/v/o53sAEbFYjo&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
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		<title>Lutz Dammbeck &#8211; Das Netz (2003)</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Feb 2010 15:21:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias Brücker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Computer]]></category>
		<category><![CDATA[Heinz von Foerster]]></category>
		<category><![CDATA[Hypertext]]></category>
		<category><![CDATA[Kybernetik]]></category>
		<category><![CDATA[Lutz Dammbeck]]></category>
		<category><![CDATA[Terrorismus]]></category>

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		<description><![CDATA[
Im Jahr 1995 verhaftet das FBI in der Wildnis Montanas den ehemaligen Mathematikprofessor Theodore J. Kaczynski als den „Unabomber“. Ihm wird zur Last gelegt, über 17 Jahre hinweg Anschläge gegen Personen aus Wissenschaft, Kunst, Militär und Computertechnologie verübt zu haben. Dies ist jedoch nur der Aufhänger für einen Film, der den ganzen neuen Bewegungen und Kontexten seit den 40er Jahren nachspürt. Diese Reise führt über die Hippiebewegung zu Computerfreaks (Norbert Wiener, David Gelernter) und Wissenschaftlern (Heinz von Foerster, George Spencer-Brown); bis weit hinein in die Kunst- und Literaturszene (Ken Kesey). ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://img5.imagebanana.com/img/btrn9ora/lutzdammbeck.jpg" alt="cover" /><br />
Im Jahr 1995 verhaftet das FBI in der Wildnis Montanas den ehemaligen Mathematikprofessor <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Theodore_Kaczynski">Theodore J. Kaczynski</a> als den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Una-Bomber?title=Una-Bomber&amp;redirect=no">„Unabomber“</a>. Ihm wird zur Last gelegt, über 17 Jahre hinweg Anschläge gegen Personen aus Wissenschaft, Kunst, Militär und Computertechnologie verübt zu haben. Dies ist jedoch nur der Aufhänger für einen Film, der den ganzen neuen Bewegungen und Kontexten seit den 40er Jahren nachspürt. Diese Reise führt über die Hippiebewegung zu Computerfreaks (Norbert Wiener, David Gelernter) und Wissenschaftlern (Heinz von Foerster, George Spencer-Brown); bis weit hinein in die Kunst- und Literaturszene (Ken Kesey). Höhepunkt bildet sicherlich das Interview mit Heinz von Foerster, welches bei <a href="http://www.youtube.com/watch?v=PcPtl-vuGbI">&#8220;Youtube&#8221;</a> seit Jahren ein Knüller ist. Das ganze Interview ist jedoch nur auf der DVD als Bonus zu sehen.</p>
<p><img src="http://img5.imagebanana.com/img/dtfc1szr/s1.jpg" alt="ted" /></p>
<p>Die Besonderheit des Filmes liegt in seiner hypertextuellen Anordnung. Diese Grundidee wiederspiegelt sich bereits in der <a href="http://www.t-h-e-n-e-t.com">Homepage des Filmes</a>. Oft sehen wir den Mauszeiger auf einem gefilmten Laptop-Bildschirm. So wird der Blick bewusst durch die Fülle der Informationen und Reize geführt, welche einen im Internet begegnen. Diese Art der Nachforschung und Informationsrecherche scheint mir der moderne Weg zu sein, wie wir uns selber im digitalen Zeitalter fortbewegen. Wir lesen keine Lexika und Chronologien mehr. Vielmehr klicken wir uns durch Wikis und Suchmaschinen. Die damit verbundene Entropie und Hierarchielosigkeit zwingt uns durch ein Feld von Links und Artikel zu surfen; und nicht einem vorgegeben Informationsstrang nachzugehen. Genau diese Verhaltensweise nimmt der Film auf und setzt dies konsequent um. So ist dies auch keineswegs eine filmische Verbrecherjagd der Aktenzeichen XY Generation, als vielmehr eine Collagierung und Auffaltung kultureller Phänomene. So erweisen sich beispielsweise die Terroranschläge als ergiebiger Knotenpunkt der aufkommenden Computerwissenschaft und Kybernetik rund um die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Macy-Konferenzen">Macy-Konferenzen</a>.</p>
<p><img src="http://img5.imagebanana.com/img/t9vzgkow/s3.jpg" alt="sc" /></p>
<p>Dieser hochunterhaltsame Dokumentarfilm erinnert insofern an die Werke von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Chris_Marker">Chris Marker</a>, welcher unter anderem in <a href="http://www.imdb.com/title/tt0084628/">Sans Soleil</a> mit seiner collageartigen Anordnung überzeugt. Dies jedoch mit einem viel stärker gewichteten Anspruch auf Philosophie und Poesie. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die Konzeptkünstlerin <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jenny_Holzer">Jenny Holzer</a>, welche jüngst in einer <a href="http://www.beyeler.com/fondation/d/html_11sonderaus/02_vergangene/overview.htm">Sonderausstellung der Fondation Beyeler in Basel</a> zu sehen war. Sie beschäftigt sich mit den Arten des Sehens und Selegierens, welche angesichts neuer Technologien entstehen. Obwohl oft gesagt wird, dass Holzers synchron ablaufende LED-Texte unmöglich auf einmal und miteinander lesbar seien, ist es faszinierend wie gewohnt und gekonnt man als Betrachter mit dieser Situation umgeht. Es scheint genau unserer Kompetenz des &#8220;Querlesens&#8221;, &#8220;Multitasking&#8221; oder &#8220;Tagging&#8221; zu entsprechen. Eine Fähigkeit die wir uns angegoogelt und angesurft haben. Wer von uns würde im Netz noch effizient sein, wenn er alles lesen und beachten müsste, was da auf einen zukommt? Genau dieser Problematik stellt sich dieser Film und es gelingt ihm mit seiner Methode vieles anzusprechen ohne je oberflächlich zu werden.</p>
<p><img src="http://img5.imagebanana.com/img/y055g4vt/s6.jpg" alt="screen" /><br />
<strong><br />
Interview mit Lutz Dammbeck über diesen Film:</strong></p>
<p>http://www.othercinema.com/otherzine/?issueid=14&amp;article_id=21<strong></p>
<p></strong></p>
<p><strong>Trailerdownload:</strong></p>
<p>http://www.othercinemadvd.com/movies/net.mov</p>
<p><strong>IMDb-Link:</strong></p>
<p>http://www.imdb.com/title/tt0434231/</p>
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