Home » Interviews

Sternstunde Philosophie: Umberto Eco – Perpetuum mobile der Literatur

9 January 2010 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Der Schriftsteller, Philosoph und Medienwissenschaftler Umberto Eco ist zu Gast bei der Sendung Sternstunde Philosophie. Dieses sehenswerte Gespräch dreht sich zunächst um Ecos neues Buch „Die unendliche Liste“ und rollt dabei von Aristoteles bis zu Popper die Thematik des Wissens und dessen Grenzen auf. Es ist erstaunlich, was Ecos Unterscheidung zwischen praktischem und poetischem Wissen zu leisten vermag. Gerade im Hinblick auf das Internet zeigt sich dabei dessen spezifische Qualität, weil es sich weder dem einen noch dem anderen Wissenstyp zuordnen lässt. Um diese Tätigkeit scheint es Eco aber genau zu gehen, sagt er doch später, dass ihn Aristoteles‘ Auseinandersetzung mit dem nicht vernünftig klassifizierbaren Kamel beeindruckt habe.
Danach geht es weiter zum „Name der Rose“ und der menschlichen Eigenschaft des Lachens. Auf die Frage, warum sich Eco gerade mit dem Lachen beschäftigt habe antwortet dieser: „Wäre ich pädophil, hätte ich über die Pädophilie geschrieben.“ Der Mensch lacht, weil er sich seiner Sterblichkeit bewusst ist. Es ist eine zutiefst menschliche Art und Möglichkeit, etwas mit Humor zu nehmen. Man kann nicht das Leben lang trauern, dass man einmal sterben muss. Also lacht man darüber.
Später steht Ecos Dissertation über Thomas von Aquin und die Semiotik im Mittelpunkt. Damit schliesst sich der Kreis spezifisch menschlicher Eigenschaften. Die Semiotik ermöglicht dem Menschen nämlich über Dinge zu sprechen, die nicht existent bzw. abwesend sind. Nebenbei ist sie ganz nützlich, wenn es darum geht, kulturelle Phänomen zu erklären.
Norbert Bischofberger stellt für einmal ohne jede Selbstinszenierung Fragen und erzwingt nicht aus seinem Lektüreverständnis heraus resultierende Antworten. So wird es zum Schluss noch einmal brisant, wenn Eco über „Berlusconien“ (= Italien), die Rolle des Intellektuellen und seine eigene Geschichte ausgefragt wird. Als rhetorische Perle zum Schluss erzählt Eco, dass er von einem katholischen Schriftsteller gefragt wurde: Was passiert wenn Sie sterben und Sie Gott begegnen? Eco hat geantwortet: Machen Sie sich keine Sorgen, wir beide haben die gleichen Bücher gelesen. Wir werden uns finden.

Literaturhinweis: Umberto Eco: Die unendliche Liste. Carl Hanser Verlag, München 2009

Kommentar hinterlassen

Kommentar hier hinterlassen, Trackback auf Ihrer Seite einfügen oder Kommentare als RSS abonnieren.

Um zu Ihrem Kommentar automatisch ein Bild einzufügen registrieren Sie sich bei Gravatar.