Buchpräsentation: Berufsorientierung für Kulturwissenschaften

Am Mittwoch, dem 5. Oktober fand an der Universität Luzern im Rahmen des kulturwissenschaftlichen Instituts eine Buchpräsentation zur Berufsorientierung für Kulturwissenschaftler statt. Die drei Autorinnen Bettina Beer, Sabine Klocke-Daffa und Christiane Lütkes waren allesamt zugegen. Obwohl alle drei Referentinnen des Buches einen ethnologischen Hintergrund haben, sind die Tendenzen, Trends und Tipps auch auf die Sozial- und Geisteswissenschaften zutreffend.
Bettina Beer, Professorin für Ethnologie an der Universität Luzern, verwies als erste der drei Autorinnen des Buches auf ihre eigene Berufserfahrung. Obwohl sie seit langer Zeit im akademischen Bereich arbeitet, kann sie die Mitarbeit bei Museen, sowie die Schaffung eines kulturellen Angebots für Seemänner am Hamburger Hafen zu ihren Tätigkeiten zählen. Als Leitideen für die Zukunft sieht sie Seminare, welche auf Personen im Praktikum bezogen sind oder die Einrichtung einer Praktikumsbörse für Kulturwissenschaftler. Dort sollte es auch die Möglichkeit von Empfehlungen, Kommentaren und Tipps geben. Auf diese Weise würde für die jeweilige Region ein nützliches Netzwerk entstehen. Dies soll, wie man sehen wird, die wichtige Erfahrung in Projekten und Praktika leichter machen.
Als Referentin aus der „Arbeitswelt“ sprach Sabine Klocke-Daffa, welche über zwanzig Jahre im Kulturmanagement arbeitete und mittlerweile eine Professurvertretung an der Universität Tübingen übernommen hat. Sie kennt die Wissenschaft und die Arbeitspraxis der Ethnologie sehr gut. Sie verweist auf die zunehmende Unmöglichkeit, ohne Berufsaussichten und feste Pläne ein Studium zu bestreiten. Die Legitimation und die Sicherheit, einmal einen Job zu haben, seien sehr wichtig. In ihrer Tätigkeit als Kulturmanagerin koordinierte sie verschiedenste Anlässe. Als Beispiel erzählt sie von der Organisation eines Festzuges zum Gedenken an „Hermann den Cherusker“. Mit über 1200 Aktiven und 20‘000 Besuchern war das ein Riesenereignis, bei welchem Komplikationen aller Art anfielen. Einem der fünf Veranstalter gefiel die Festrede nicht, ein anderer hatte etwas gegen den vietnamesischen Beitrag am Festzug und einer wollte sein Bild in der Broschüre sehen (worauf alle anderen ihr Bild auch drin haben wollten). Klocke-Daffa versuchte mit diesen Anekdoten eines klar zu machen: Überall bedarf es interkultureller Kompetenzen.
Christiana Lütkes beschrieb drei Wochen aus ihrem Leben als Bildungsreferentin im Bereich des „Sozialen Managements“. Unter ihren Projekten finden sich interkulturelle Trainings für junge Migranten, Hilfsgüter für Rumänien, Freizeitangebote für Senioren und auch Beschäftigungsvarianten für Frührentner. Ein nicht zu unterschätzendes Phänomen, angesichts der Tatsache, dass viele Menschen von einem Tag auf den andern nichts mehr zu tun haben. Geschickt verbindet sie dabei mehrere Problemfelder, so helfen beispielsweise Rentner den Schulabgängern in verschiedensten Bereichen. Andere Projekte, wie der Bau einer Brücke, welchen niemand finanzieren würde, tauchen ebenfalls auf ihrer Liste auf. Auch hier wird offensichtlich, es braucht viel Gespür für soziale und kulturelle Verschiedenheiten. Nicht zuletzt bedarf es aber auch einer wirksamen Öffentlichkeitsarbeit, weil sonst weniger Gelder gespendet werden.
Die Message der Veranstaltung ist klar. Die Initiative liegt bei den Kulturwissenschaftlern und nicht bei den Arbeitgebern. Diese wissen oft noch nicht einmal, dass es eine Wissenschaft unter diesem Namen gibt. Bettina Beer rät, schon bei der Bewerbung kulturwissenschaftliche Kompetenzen und Fähigkeiten einzubringen. Man muss diese selber erwähnen, weil die Arbeitgeber nicht danach suchen. Eine Auswahl von verschiedensten Tätigkeiten in allen möglichen Bereichen sei dabei sehr nützlich. Auch bei der Ausübung eines Jobs müssen kulturwissenschaftliche Inhalte selber angewendet werden. Dies entspricht eigentlich ganz der Tätigkeit von Kulturwissenschafts-Studenten in Luzern, welche ihre Veranstaltungen, Themen und Kapazitätsverteilungen zu grossen Teilen selber wählen. Ohne grosse inhaltliche Vorgaben und angesichts einer interdisziplinären Ausrichtung scheint jeder etwas anderes zu studieren. Die Gemeinsamkeit ist dabei die Art und Weise, wie man studiert und wissenschaftliche Gegenstände stets aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Man gibt sich sein eigenes Profil und entwickelt es nach eigenen Interessen weiter. Doch wie Bettina Beer in der Einleitung angetönt hat, liegt auch auf Seite der Universität grosser Handlungsbedarf vor. Praktika, Projekte und Nebenjobs dürfen nicht länger eine Zusatzbelastung und reiner Mehraufwand sein. Die Universität muss diese auf irgendeine Weise vergüten und ins Studium integrieren. Damit schliesst diese kulturwissenschaftliche Debatte denn auch an eine allgemeine Thematik der Universität an. Solange nämlich Studenten, die ihr Studium teilweise oder vollständig selber finanzieren müssen, keine Möglichkeit zur Integration dieser beiden Tätigkeitsbereichen haben, wird die Attraktivität solcher Studiengänge stark reduziert sein.













Kommentar hinterlassen