Peter Fuchs spricht
Was passiert, wenn sich ein paar Studenten an einem sonnigen Nachmittag in Luzern mit Peter Fuchs treffen…
Peter Fuchs, Jahrgang 1949, studierte zuerst Heilerziehungspfleger. Mit diesem Hintergrund kommt er 1985 nach Bielefeld und beginnt dort, sich in die Soziologie zu vertiefen. Die Systemtheorie, in Bielefeld durch ihren Begründer Niklas Luhmann prominent vertreten, begeistert ihn. Gemeinsam mit Luhmann schreibt er das Buch „Reden und Schweigen“. Und obwohl, wie er sagt, seine Liebhaberei die Hochabstraktion ist, versucht er immer wieder, die theoretischen Überlegungen der Systemtheorie mit dem Feld der Sozialen Arbeit zu verbinden.
Am 3. April 2009 reist Fuchs nach Luzern, um an der Hochschule für soziale Arbeit einen Vortrag zu halten. Im Anschluss kommt ein Treffen mit einer bunt zusammengewürfelten Studentengruppe zwischen der Universität Luzern und der Hochschule für soziale Arbeit HSLU zustande.
Einen Leitfaden hat das Gespräch nicht, die Studenten fragen – und Fuchs antwortet aus dem Stegreif. Was man bei solch einer Veranstaltung lernen kann? Inhaltlich bleiben einem hauptsächlich die eigenen Fragestellungen im Gedächtnis, beziehungsweise die Antworten und vor allem Anschlussfragen, die Fuchs ins Feld führt.
Noch viel mehr wurde jedoch während der Veranstaltung klar, wie man eine hochabstrakte Theorie wie die Systemtheorie vermitteln kann: mit präzisen Definitionen, guten Beispielen und einer Prise Humor.
Auffällig ist, das Fuchs immer wieder scheinbare Einheiten wie „den Menschen“ (siehe z. B. der Beitrag über Anthropologie) oder „die Gesellschaft“ (siehe der Beitrag zur Wirtschaftskrise) in verschiedene Ebenen, Sinnprovinzen, Systeme aufteilt. Fuchs zeigt, dass Beobachtung immer auf den Beobachter perspektiviert werden muss – eine grundlegende Einsicht der Systemtheorie.
Hier also die Statements von Peter Fuchs – zu den Themen Integration, Behinderung, Anthropologie, zu Sinn und Unsinn, zur Wirtschaftskrise und zu Niklas Luhmann und seiner Theorie.
Integration
Im Bereich der sozialen Arbeit fällt immer wieder das Stichwort „Integration“. Sie ist, so scheint es, das Heilmittel für soziale Probleme. Fuchs sieht das anders: Er begreift Integration (beispielsweise von behinderten Personen) zuerst als Belastung für die Kommunikation und versucht, von dieser begrifflichen Klärung ausgehend, zu erklären, wie man das Problem der Integration lösen könnte.
Behinderung
Wer über Integration von Behinderten spricht, muss freilich auch erklären können, was denn eine Behinderung ist. Peter Fuchs erläutert einen möglichen Zugang der Systemtheorie zum Thema über den Begriff der Penetration. Und auch hier kommt Fuchs nicht auf „den Behinderten“ zu sprechen, den es zu integrieren (oder zu normalisieren?) gilt, sondern vielmehr auf die Umwelt dieser Person, die man versuchen könnte, zu steuern.
Anthropologie
Ein oft gehörter Vorwurf an die Systemtheorie ist der, dass sie „den Menschen“ ausblendet. Tatsächlich ist der Ausgangspunkt der luhmannschen Theorie das System. Peter Fuchs antwortet auf die Frage, was denn die Systemtheorie zur anthropologischen Diskussion beitragen kann, mit dem Hinweis auf sein Buch „Das Mass aller Dinge“, in dem er versucht zu zeigen, dass der Mensch nicht über fest definierte Wesensmerkmale sondern vielmehr durch die Anforderungen seiner Umwelt beschrieben werden kann.
Wirtschaftskrise
Alles redet von der Wirtschaftskrise. Ist diese Krise eine Katastrophe, die die gesamte Gesellschaft betrifft? Oder muss man vielleicht, wie Fuchs es vorschlägt, genauer hinschauen, wer denn eigentlich die Krise hat?
Sinn und Sinnlosigkeit
Für die Systemtheorie sind soziale wie psychische Systeme immer Sinn-Systeme. Sie generieren sich und prozessieren immer im Medium Sinn. Gibt es dann in der Systemtheorie einen Platz für Sinnlosigkeit? Für den Nicht-Sinn?
Niklas Luhmann und die Theorie
Auch auf die Frage eines Studenten, wie den Luhmann als Person so war, antwortet Fuchs, indem er Luhmann in seinem Verhältnis zur Theorie beschreibt. Ein erfolgreicher Theoretiker, so Fuchs, ist jemand, der nie aufhört, das philosophische Staunen, die Fremdheit in der Welt zu kultivieren.












[...] Anthropologie-Video findet sich neben einigen anderen im neuen Contextblog, das sich Aktuelles aus Wissenschaft, Philosophie und Kultur auf die Fahne geschrieben hat. In den [...]
hallo freunde der philosophie,
möchte mir erlauben, zu einem besuch auf meinem blog einzuladen.
dort geht es um methodisches philosophieren im sinne der “erlanger schule” (Paul Lorenzen, Wilhelm Kamlah), um ethik und ökonomie als angewandter ethik.
schönen gruss emile
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